Allein unterwegs … MotorradOktober

Wenn der Sommer vorbei ist, kommt meine Zeit. Es wird ruhig auf den Straßen, in den Wäldern und die Bäume zeigen sich von ihrer bunten Seite. Nun braucht die Spinne vom Spinnradl ein wenig länger zum Einkleiden.
Dabei geht es nicht um Schönheit – nein, nein 😉 Es finden sich dann allerley Mustermischungen und Farbsünden. Doch diesen Anblick können nur die Lampe und die Zitterspinne von der Schlafzimmerdecke aus sehen.
Aber so schlimm kann es nicht sein. Weder verlischt das Licht, noch versteckt sich die langbeinige Pholcidae hinter dem Schrank.
Schön warm und vor allem winddicht muss das Unterzeug sein, alle Lücken bedeckt.

Allein unterwegs – ab und zu ein Auto, selten ein anderes Motorrad. Dann ist Harmonie in meinem Kopf. Kämpfen normalerweise Geschichten und Geschehnisse in meinem Geist um die Vorherrschaft – so scheinen sich in solchen Momenten die Erzählstimmen zurückzuziehen.
Ist auch besser so. Sie wissen, dass es aus – Sense – vorbei ist mit dem Erzählen, wenn sie beim Motorrad fahren ihre Stimmen erheben. Ich brauche dann meine Sinne – und zwar vollständig.

Bei mir sein. Mich durch nichts ablenken lassen. Konnte ich als Kind noch mit Büchern, beim Malen und Spielen in meine Welten versinken – so ist diese Fähigkeit irgendwie im Laufe der Jahrzehnte abhanden gekommen. Gelegentlich wurde sie gebraucht – beim Klettern, Ski fahren oder bei Prüfungen. Es wurde jedoch mit der Zeit schwieriger, sie abzurufen. Wo ist das Können geblieben?

Irgendwo habe ich mal von der Rushour des Lebens gelesen. Das trifft es ganz gut. Das Leben schwappt dann über die Menschen hinweg und sie haben einfach viel zu tun. Arbeit, vielleicht noch Kinder und ruckzuck sind die Tage vorbei. War die Zeit in der Kindheit noch im Schleichgang unterwegs, so wird sie im Laufe des Lebens immer schneller, sie eilt, hastet und manchmal scheint etwas ins Stolpern zu kommen.
An diesem Punkt angekommen, versuchte ich es mit Meditation – funktionierte aber nicht. Bis ich eines Tages lernte – es geht dabei nicht darum, gähnende Leere im Kopf zu schaffen. Die Gedanken bleiben da. Die Kunst besteht darin, sie in Ruhe vorbeiziehen zu lassen.
Seitdem klappt das besser und mir scheint, als habe ich mir etwas zurückerobert. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

Über die eigenwillige Wärmeschicht kommen dann Jacke und Hose und wenig später ist Frau Spinne unterwegs. Sie schnörkelt auf schmalen Straßen durch die Landschaft, der Zweizylinder brödelt verhalten vor sich hin (ich will ja den Leuten dort nicht auf den Wecker gehen) und es fühlt sich an wie … Schweben.

Ab und zu halte ich an und schaue mich um, hie und da ein Foto und weiter geht’s. So viele schöne Ecken, ich komme wieder … das nächste Mal zu Fuß.

Im glattgestrichenen Gedankenstrom zeigen sich neue Geschichten, rote Fäden, die aufgenommen werden wollen …

Allein unterwegs

Neulich beim Spazierengehen sehe ich dieses haarige Räupchen, wie es über den Weg krabbelt. Sehr hübsch anzusehen und ganz allein. Der Farbe nach zu urteilen scheint es nicht sehr zu schmecken, also dürften seine größten Probleme Füße und Radreifen sein.

Manchmal komme ich mir selbst vor wie so eine kleine Raupe. Eine Schreibraupe. Denn wie sieht das Leben von jemand aus, der gerne Geschichten erfindet – er schreibt und schreibt und ist dabei erst einmal allein.

In meinem Fundus befinden sich Notizkästen, Sudelbücher, Arbeitskladden – in echt und virtuell – und aus diesen vielen Bausteinen entstehen Geschichten. Alles fein und spannend. Doch ab und zu möchte ich gerne Austausch mir anderen Schreibenden, die einfach aus Spaß an der Freud mit Worten und Sätzen spielen.

Oftmals steht geschrieben, es gebe jede Menge Menschen, die sich hobbymäßig damit beschäftigen würden. Aber es scheint, als seien sie weitläufig im Lande verteilt.
Also versuch ich es noch einmal auf diese Weise – in meiner Spinnradecke.
So ab und zu zwischen meinen größeren Projekten.

Dieser kleine Staubwedel auf dem Bild ist übrigens ein Buchen-Streckfuß. Den kannte ich gar nicht – aber Tante Wikipedia weiß fast alles.

Bis zum nächsten Mal