Wenn der Sommer vorbei ist, kommt meine Zeit. Es wird ruhig auf den Straßen, in den Wäldern und die Bäume zeigen sich von ihrer bunten Seite. Nun braucht die Spinne vom Spinnradl ein wenig länger zum Einkleiden.
Dabei geht es nicht um Schönheit – nein, nein 😉 Es finden sich dann allerley Mustermischungen und Farbsünden. Doch diesen Anblick können nur die Lampe und die Zitterspinne von der Schlafzimmerdecke aus sehen.
Aber so schlimm kann es nicht sein. Weder verlischt das Licht, noch versteckt sich die langbeinige Pholcidae hinter dem Schrank.
Schön warm und vor allem winddicht muss das Unterzeug sein, alle Lücken bedeckt.

Allein unterwegs – ab und zu ein Auto, selten ein anderes Motorrad. Dann ist Harmonie in meinem Kopf. Kämpfen normalerweise Geschichten und Geschehnisse in meinem Geist um die Vorherrschaft – so scheinen sich in solchen Momenten die Erzählstimmen zurückzuziehen.
Ist auch besser so. Sie wissen, dass es aus – Sense – vorbei ist mit dem Erzählen, wenn sie beim Motorrad fahren ihre Stimmen erheben. Ich brauche dann meine Sinne – und zwar vollständig.

Bei mir sein. Mich durch nichts ablenken lassen. Konnte ich als Kind noch mit Büchern, beim Malen und Spielen in meine Welten versinken – so ist diese Fähigkeit irgendwie im Laufe der Jahrzehnte abhanden gekommen. Gelegentlich wurde sie gebraucht – beim Klettern, Ski fahren oder bei Prüfungen. Es wurde jedoch mit der Zeit schwieriger, sie abzurufen. Wo ist das Können geblieben?

Irgendwo habe ich mal von der Rushour des Lebens gelesen. Das trifft es ganz gut. Das Leben schwappt dann über die Menschen hinweg und sie haben einfach viel zu tun. Arbeit, vielleicht noch Kinder und ruckzuck sind die Tage vorbei. War die Zeit in der Kindheit noch im Schleichgang unterwegs, so wird sie im Laufe des Lebens immer schneller, sie eilt, hastet und manchmal scheint etwas ins Stolpern zu kommen.
An diesem Punkt angekommen, versuchte ich es mit Meditation – funktionierte aber nicht. Bis ich eines Tages lernte – es geht dabei nicht darum, gähnende Leere im Kopf zu schaffen. Die Gedanken bleiben da. Die Kunst besteht darin, sie in Ruhe vorbeiziehen zu lassen.
Seitdem klappt das besser und mir scheint, als habe ich mir etwas zurückerobert. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

Über die eigenwillige Wärmeschicht kommen dann Jacke und Hose und wenig später ist Frau Spinne unterwegs. Sie schnörkelt auf schmalen Straßen durch die Landschaft, der Zweizylinder brödelt verhalten vor sich hin (ich will ja den Leuten dort nicht auf den Wecker gehen) und es fühlt sich an wie … Schweben.

Ab und zu halte ich an und schaue mich um, hie und da ein Foto und weiter geht’s. So viele schöne Ecken, ich komme wieder … das nächste Mal zu Fuß.

Im glattgestrichenen Gedankenstrom zeigen sich neue Geschichten, rote Fäden, die aufgenommen werden wollen …

6 Gedanken zu “Allein unterwegs … MotorradOktober

  1. Hallo Motorradbraut 😉 ,

    der Herbst ist auch meine Zeit. Der Sommer ist mir immer zu heiß. Das mag ich gar nicht, obwohl ich mich mittlerweile damit einigermaßen arrangiert habe.

    Aber wir sind schon ewig kein Motorrad mehr gefahren. Ich bin ja eh nur die, die mitfährt, aber im Gegensatz zum Fahrer konnte ich so herrlich meinen Gedanken freien Lauf lassen. Sie kamen und gingen, so wie die Landschaft kam und ging. Und die Kreativität bekam Flügel. Hach, wir hatten eine wunderbare Motorradzeit.
    Dann waren wir viel auf Geschäftsreisen. Außerdem konnte Felix nicht alleine bleiben. Irgendwas war immer. Und da wir das Motorrad vom Bruder meines Mannes geliehen haben, waren spontane Fahrten nicht möglich. Es passte eine Zeit lang nicht so gut in unser Leben. Und nun passe ich nicht mehr in meine Motorradklamotten … Aber wer weiß, vielleicht passt es ja irgendwann mal wieder. Ich weiß, dass mein Mann das Motorradfahren vermisst. Er empfindet wie du. Ganz bei sich sein, an nichts anderes denken.

    Meditation wollte ich immer mal probieren. Bei der Selbstverteidigung haben wir das auch gemacht. Ich tat mich immer schwer damit. Ich habe den Eindruck, dass ich eher als Beifahrerin auf dem Motorrad meditieren kann. Dann kann ich ja nix anderes tun, als da sitzen, mich festhalten und alles an mir vorbeizziehen lassen. 🙂 Oder beim Spazierengehen. Da kann ich bei mir sein. Mal abgesehen von Felix. 🙂
    Ich wünsche dir einen schönen Restsonntag.
    Liebe Grüße,
    Martina

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