Ich sitz so am Schreibtisch, die Gedanken kreisen und kreisen, umschnörkelt von leisem Schnurren, es grummelt lauter und ein Gedanke bleibt hängen: Wie kommt es, dass manche Menschen voll und ganz in Verschwörungstheorien aufgehen?

Zur Zeit gibt es ja wilde Theorien, bei denen man sich schon fragt – also Leute, wie kommt ihr denn auf so etwas? Schaut ihr zuviel Dystopien, lest ihr zu viele brutale Bücher oder …

Dabei dürfen wir ja eines nicht vergessen – Verschwörungstheorien gab es schon immer. Und oft haben sie Leid über Menschen gebracht. Man denke nur an Judenpogrome, die immer wieder aufflammten, an Christenverfolgungen, Antikommunismus in den USA oder der angebliche 9/11 Fake.

Heutzutage haben wie eine recht breite Auswahl; was wohl der Reichweite der Neuen Medien zu verdanken ist. Hier versammeln sich Impfgegner, Klimawandelleugner und jetzt gibt’s auch noch die Covid-19-Pandemie.

Was sie alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor allem in krisengebeutelten Zeiten vorkommen. Waren es früher Krankheiten und Naturkatastrophen, so ist die Neuzeit für viele Menschen unübersichtlich geworden. Man sieht sich bedroht und versucht eine Erklärung für all das zu finden. Denn eines kann das menschliche Gehirn gar nicht gut ab: Unsicherheit. In diesem Zustand findet es bei Verschwörungstheorien Halt, denn diese lösen eine diffuse und unübersichtliche Situation dadurch auf, dass sie diese auf einzelne, bekannte Phänomene zurückführen. Plötzlich ist nichts mehr unerklärlich und es gibt sogar einen Feind, gegen den man sich zusammentun kann.

Das ist insofern tragisch, dass im Internet, Wissen und Verschwörungstheorie nur einen Mausklick auseinander liegen können. Interessant ist ja auch, dass es jeden Menschen treffen kann, ob mehr oder weniger klug – er muss nur verunsichert genug sein.

Was könnte also helfen? Bildung allein genügt nicht. Die Menschen brauchen zum Einen eine bessere Aufklärung – da sehe ich, was Corona anbelangt die Regierung in der Pflicht. Und zum Anderen so etwas wie Zuversicht.

Schon Jesus hat es versucht:
Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Oder Buddha: 
“Verweil nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.”

Oder mit Alan Watts:
Lebenskunst ist weder ein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit. Sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.

In diesem Sinne – bleiben wir im Hier und Jetzt. Und bevor uns etwas verrückt macht, lehnen wir uns zurück und überlegen – kann das denn sein?

oder doch
…… 42 ……

2 Gedanken zu “Montags vom Schreibtisch – Verschwörungen

  1. Verschwörungstheorien munden meiner Erfahrung nach besonders solchen Menschen gut, die ein angeknackstes Selbstbewusstsein haben. Die Illusion, über besondere Insiderkenntnisse zu verfügen, die einem Normalsterblichen nicht zugänglich sind, die herausragende Fähigkeit zu haben, gezielt hinter die Dinge blicken zu können – obwohl man doch im Grunde genommen nur das nachplappert, was einem vorgekaut wird – verleiht VerschwörungstheoretikernInnen den Irrglauben, weitaus intelligenter als die sogenannten „Schlafschafe“ zu sein. Bei manchen wirkt das dann auf Dauer wie eine Gehirnwäsche – aus einem einstmals zugänglichen, liebenswerten und klugen Menschen wird ein unberechenbarer und wie ferngesteuert wirkender Zombie.

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    1. Angeknackstes Selbstbewusstsein – oder zu viel Selbstbewusstsein 😉
      Das Problem ist ja, dass jene, die du beschreibst kaum noch erreichbar sind.

      Und ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass es kaum einen Menschen gibt, den man nicht aufs Glatteis führen kann. Es gibt erschreckende Versuche dazu.
      Zum einen wäre es gut, den Noch-Erreichbaren eine Tür offen zu halten.

      Zum anderen halte ich es für sehr wichtig, wie Regierungen und Presse mit Wissenschaften umgehen. Gerade zu dieser Pandemie-Zeit ist es wichtig, dass Bürger auf Wissenschaft vertrauen können – das steht und fällt mir der Kommunikation.

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