Gestern Abend – ich muss unbedingt raus. Man könnte meinen, mir wär Corona in die Beine gefahren …  Nein – ich habe einfach das Bedürfnis, im Dunkeln durch die Gegend zu laufen (bisschen Corona im Kopf vielleicht). Das überfällt mich schon mal, treibt mich nach der Katzenstunde hinaus, die Straßen entlang, durch den Park in Richtung Felder. Ach ja – Katzenstunde – die hatte ich schon in meinem Blog; das ist die Zeit während der Abenddämmerung, in der Katzen draußen einfach so sitzen und kucken (und möglicherweise Verschwörungstheorien diskutieren).

Im Park kommen mir noch ein paar Leute entgegen. Sie streben zu ihren Behausungen, an die Töpfe und vor die Fernseher und allmählich werden die Wege einsamer, bis ich allein auf den regennassen Feldwegen bin.
Wunderschön bizarr hebt sich das Geäst der Bäume zum Himmel, als wollten sie das Universum anrufen.


Das Rauschen des Verkehrs auf der nahegelegenen Landstraße scheint sich aus meinem Fokus zu bewegen – denn andere Geräusche sind viel interessanter. Rechts ein Flattern, links ein Rascheln und ich kann sehen, wie ein paar Kaninchen in ihren Löchern verschwinden – und einen Augenblick später erhebt sich über mir ein Raubvogel, der jetzt sauer auf mich ist, weil ich ihm die Jagd verhagelte.

Mir fällt die zornige Hornisse und mein damaliges Panikgefühl vom letzten Herbst ein. Sie hatte mir ein paar kleine, gleichwohl schmerzhafte Löcher oben in die Kopfhaut gebissen – und ich fasste mir unwillkürlich an den Kopf: Mütze ist auf (seufz)

Eine Reihe Strohrollen für die Erdbeeren liegt parat
und ich freu mich schon
 🍓 🍓 🍓 🍓 🍓.


Unter meinen Schuhen quietscht und platscht es und ich muss aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. 

Und da vorne … wie hübsch … eine Pfütze – und das Licht ist gerade noch hell genug.


Der Rückweg führt an einem kleinen Fluss entlang. Es ist Nacht und nur noch ein bläulicher Streifen am Horizont verabschiedet den Tag; doch das eigentlich Spannende ist: kommt das Rauschen des Flusses tagsüber nicht zur Geltung – oder verändern sich die Sinne des Menschen, wenn die Umgebung dunkel wird?
Nun plätschert er so laut, als wolle er sich bei mir beschweren, dass ich ihm tagsüber nicht genug zuhöre. Wie ein beleidigter Freund rauscht und grollt er und zerwühlt das Bett.

Als es wieder in den Park geht, komme ich an der alten Pappel vorbei. Schon seit geraumer Zeit habe ich beobachtet, wie sich Misteln in ihr festbeißen. Schwer hängen sie in den Zweigen und holen sich ihre Kraft aus dem sterbenden Baum. Was sie nicht wissen – auch ihre Tage sind gezählt – kein Baum, keine Nahrung. Das ist der Lauf der Welt.

Wieder im Ort schau ich den Leuten in die Fenster. Hier eine ganze Wand mit Zinntellern, dort ein großes Bücherregal, dort drüben ein sehr großer Fernseher und ich denke mir – schön dass ihr alle zu Hause seid, ihr könnt ja morgen wieder spazieren gehen  😁 

6 Gedanken zu “Nach der Katzenstunde

  1. Ein sehr schöner Abendspaziergang, bei dem ich gerne dabei war. Aber um Verschwörungstheorien mache ich nicht nur geistig einen ganz großen Bogen!!! Gibt zur Zeit leider mehr denn je davon, was schon so manchen nicht nur um den Verstand brachte. 😉
    Liebe Grüße von Hanne

    Gefällt 2 Personen

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