Lockdown-Kochen … oder … von der Erotik des Mürbeteigs

Eigentlich war nichts Besonderes geplant. Eine Frischkäsetorte sollte es werden. Das heißt – untenrum Mürbeteig und oben drauf eine Ei-Frischkäsefüllung und zum Schluss Tomatenscheiben. Alles schlicht und lecker.
Ich rühr zu Beginn die Teig- Zutaten immer mit dem Knethaken – dann ist die Geschichte nicht ganz so klebrig (nein – hier sind wir noch nicht bei der Erotik).
Danach arbeite ich mit den Händen nach.
Und wie so oft an diesen Corona-Abenden ist alles etwas ruhiger als in der Zeit zuvor. Das was mir manchmal (eigentlich eher selten) wie Mehltau über der Covid-Welt erscheint – fühlte sich in diesem Moment angenehm entspannt an.
Alles war einigermaßen gleichmäßig, also herausgenommen und auf die Arbeitsplatte gelegt und ich begann mit der Hand zu kneten.

Da war es – das Meditative – Mürbeteigkneten. Er gelingt mir nämlich nicht immer. Manchmal wird er klebrig, manchmal krümelt er – aber heute – liebe Leute – er war nahezu perfekt.
Schön glatt und nachgiebig, hin und her gewalkt, ein wenig gedrückt und massiert wie eine muskulöse Schulter, nachdem alle Verspannungen weg gearbeitet sind.

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Mürrrbeteig – das klingt schon so schön, mit einem ganz weichen ‚rrr‘ wie das Schnurren einer Katze – rrrrrr.

Ja – er war perfekt – der Teig – denn das Kneten war ganz still, kein Knatschen zu hören im Raum – nur das Ticken der Wanduhr und das Schnurren der Katze auf dem Küchenstuhl.
Ich glaube wir beide – die Katze und ich – wir haben ihn gleichzeitig gespürt, diesen perfekten Moment.
Kennt ihr ihn auch? Den perfekten Augenblick, wenn die Zeit still zu stehen scheint und das Universum den Atem anhält?

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Doch irgendwann ist er vorbei – der Moment – am Besten, wenn er am Schönsten ist; dann muss man aufhören – sonst wird der Mürbeteig zu warm und gelingt nicht mehr.

In diesem Sinne – einen schönen Abend und eine schöne Nacht euch allen  🌍

Mittwochsfoto – am Strand

Dieses Foto habe ich mir extra für diesen Foto-Tag aufgehoben – inspiriert von Linsenfotos Strandbildern.

Ich möchte daran erinnern, dass diese etwas dumpf erscheinende Zeit nur eine Phase ist. Es gibt Licht am Horizont. 

Und außerdem – es gibt keine Echsenwesen, die die Erde unterjochen wollen. Irgendwo würde man immer Stacheln sehen. Auf die Geschichte eines Groß-Hamsters … also da hätte ich mich möglicherweise einlassen können.

Eigentlich habe ich in meiner Materialsammlung ein Konzept für eine Alternativwelt-Geschichte, in der die Vorfahren der Dinosaurier der Erde einen Besuch abstatten und feststellen müssen, dass sich die Brut nicht so vermehrt hat, wie sie sich das vorstellten. Und das Schlimmste ist – sie sind nicht einfach nur ausgestorben! Nein – sie sind in schwache, herumflatternde Etwase degeneriert – zum Weinen … 
Ich denke – so ein Echsen-Dino-Buch müsste jetzt nicht sein.

Nu ja – bis ich mit meinem aktuellen Projekt fertig bin, hat sich diese Version an Verschwörungs-Geschichten möglicherweise überlebt.

Montags vom Schreibtisch – Verschwörungen

Ich sitz so am Schreibtisch, die Gedanken kreisen und kreisen, umschnörkelt von leisem Schnurren, es grummelt lauter und ein Gedanke bleibt hängen: Wie kommt es, dass manche Menschen voll und ganz in Verschwörungstheorien aufgehen?

Zur Zeit gibt es ja wilde Theorien, bei denen man sich schon fragt – also Leute, wie kommt ihr denn auf so etwas? Schaut ihr zuviel Dystopien, lest ihr zu viele brutale Bücher oder …

Dabei dürfen wir ja eines nicht vergessen – Verschwörungstheorien gab es schon immer. Und oft haben sie Leid über Menschen gebracht. Man denke nur an Judenpogrome, die immer wieder aufflammten, an Christenverfolgungen, Antikommunismus in den USA oder der angebliche 9/11 Fake.

Heutzutage haben wie eine recht breite Auswahl; was wohl der Reichweite der Neuen Medien zu verdanken ist. Hier versammeln sich Impfgegner, Klimawandelleugner und jetzt gibt’s auch noch die Covid-19-Pandemie.

Was sie alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor allem in krisengebeutelten Zeiten vorkommen. Waren es früher Krankheiten und Naturkatastrophen, so ist die Neuzeit für viele Menschen unübersichtlich geworden. Man sieht sich bedroht und versucht eine Erklärung für all das zu finden. Denn eines kann das menschliche Gehirn gar nicht gut ab: Unsicherheit. In diesem Zustand findet es bei Verschwörungstheorien Halt, denn diese lösen eine diffuse und unübersichtliche Situation dadurch auf, dass sie diese auf einzelne, bekannte Phänomene zurückführen. Plötzlich ist nichts mehr unerklärlich und es gibt sogar einen Feind, gegen den man sich zusammentun kann.

Das ist insofern tragisch, dass im Internet, Wissen und Verschwörungstheorie nur einen Mausklick auseinander liegen können. Interessant ist ja auch, dass es jeden Menschen treffen kann, ob mehr oder weniger klug – er muss nur verunsichert genug sein.

Was könnte also helfen? Bildung allein genügt nicht. Die Menschen brauchen zum Einen eine bessere Aufklärung – da sehe ich, was Corona anbelangt die Regierung in der Pflicht. Und zum Anderen so etwas wie Zuversicht.

Schon Jesus hat es versucht:
Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Oder Buddha: 
“Verweil nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.”

Oder mit Alan Watts:
Lebenskunst ist weder ein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit. Sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.

In diesem Sinne – bleiben wir im Hier und Jetzt. Und bevor uns etwas verrückt macht, lehnen wir uns zurück und überlegen – kann das denn sein?

oder doch
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Nachtgedanken – über Gewaltenteilung

Kommt schon mal vor, dass ich mitten in der Nacht etwas notieren muss, damit ich wieder einschlafen kann
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Und letzte Nacht ist mir Gustave Le Bon und sein Werk über Massenpsychologie eingefallen. Er war Mediziner, Anthropologe, Psychologe und Soziologe und schrieb dieses Buch unter dem Einfluss der französischen Krisenzeiten am Ende des 19. Jahrhunderts. Er war ein Mensch seiner Zeit und hatte damit eine hierarchische Sicht auf Rassen und Geschlechter, doch manche seiner Schriften werden noch heute diskutiert.
Einen Absatz finde ich besonders interessant: „Meistens sind die Führer keine Denker, sondern Männer der Tat. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden. So abgeschmackt auch die verfochtene Idee oder das verfolgte Ziel sein mag, gegen ihre Überzeugung wird alle Logik zunichte.

Immer wieder gibt es Menschen, die zur richtigen Zeit – oder soll ich lieber schreiben ‚zur falschen Zeit?‘ – parat stehen. Sie können Stimmungen aufgreifen und schaffen es ganze Menschenmassen zu begeistern und in den Abgrund zu führen. Wir wissen von einigen – Hitler, Mao, Stalin, Pol Pot … 
Und überall auf der Welt gibt es Zeichen solcher Unzeiten:

a time for healing „

Diese Skulptur des Bildhauers Michael Pohlmann steht auf der kleinen Kall-Brücke im Hürtgenwald. Sie steht für einen Moment der Menschlichkeit während der Schlacht im Hürtgenwald, als der deutsche Stabsarzt Dr. Stüttgen im November 1944 einige Feuerpausen für dieses Gebiet aushandelte, so dass verwundete Soldaten beider Seiten versorgt werden konnten.

Machtübernahmen finden fast immer in Krisenphasen statt – einfache Rezepte für komplizierte Gegebenheiten, anfangs Jubel auf allen Seiten, der im Laufe der Geschichte in Katastrophen und Bösem Erwachen führt.

Darum hat es seinen Grund, dass in einer Demokratie Gewaltenteilung festgelegt ist. Es sind Menschen, die von Menschen vertreten werden. Es wird immer Neid, Niedertracht und Kränkungen geben – nur Gewaltenteilung kann Machtverschiebungen verhindern.

Ja – Demokratische Prozesse können langwierig sein, fühlen sich kompliziert an oder scheinen Umwege zu gehen. Aber das müssen wir aushalten.
Und wir müssen die Warnzeichen erkennen können. Es kann nicht sein, dass ein demokratisch gewählter Präsident Lügen verbreitet, zur Gewalt anstachelt und an den Pfeilern der Gewaltenteilung sägt, um noch mehr Macht zu bekommen. 
Ich sehe die Aufnahmen vom US-Kapitol – wie der Mob auf zu wenige Sicherheitskräfte trifft und ich frage mich: Wie konnte das kommen? Wie kommt es, dass die Nationalgarde erst nach über einer Stunde von Pence aktiviert wurde?

In diesem Sinne – seien wir misstrauisch, wenn jemand mit einfachen Lösungen um die Ecke kommt; oder wenn andere Menschen diffamiert werden, um das eigene Selbst zu erhöhen und um ein vermeintliches Gruppengefühl zu erzeugen.

An der Küste der Normandie – Graffiti auf einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg

Mittwochsfoto 2021 – das Erste

Mit einer positiven Botschaft hat das letzte Jahr aufgehört – also beginnen wir das erste Mittwochsfoto mit einer ebenso positiven. 

Dieses Graffiti befindet sich bei uns in der Nähe eines Parks – und jedes Mal wenn ich dort vorbeikomme, steigt leise Freude in mir auf. 
Ich weiß nicht, für wen dieser anonyme Künstler dieses Bild gesprüht hat und ob es einer bestimmten Person galt. Vielleicht gibt es zwei verbundene Herzen mehr, vielleicht hat die Verbindung in Schmerz und Leid gemündet. Möglicherweise war es der Wunsch einer einsamen Seele – wer weiß, wer weiß … 
Aber es kann ein kleines, warmes Gefühl der Verbundenheit in die Seelen der Menschen pflanzen.
In diesem Sinne – heute für Euch: