Kommt schon mal vor, dass ich mitten in der Nacht etwas notieren muss, damit ich wieder einschlafen kann
*** 


Diesmal muss ich nichts notieren – ich bin einfach so wach. Draußen tippt der Regen an die Fensterläden, dröppelt, dippelt – als wolle er mir etwas sagen. Es ist so ähnlich wie bei kleinen Kindern, die ihre Eltern an den Kleidern zupfen und unaufhörlich – Papa? … Mama? sagen und einfach nicht aufgeben. 
Ich gebe schließlich auf, erhebe mich und tappe zum Fenster, schiebe den Vorhang zur Seite und öffne ein wenig eine Ladenhälfte. Glitzernd verschwommen, gelblich getönt von einer Straßenlaterne breiten sich die Gärten unter mir aus. Ach ja – Brille auf – jetzt kann ich auch die Zweige der Bäume sehen, wie sie gen Himmel zeigen.
Ein schönes Bild, so ruhig und ich ärgere mich nicht. Nein, ich bin nicht sauer darüber, dass ein uralter Reflex mich aus dem Schlaf zog und mir sagte:
Liebe Frau – es wird Zeit mal draußen nachzuschauen, ob nicht doch ein Exemplar der Gattung Smilodon um die Höhle schleicht. Säbelzahntiger und Menschen waren schließlich für eine gewisse Zeit Konkurrenten, und es gewann, wer in der Überzahl war. Und auch wenn der Mensch am Tag die Oberhand behielt, so war der Tiger wegen seiner scharfen Augen in der Nacht kaum zu überwinden.

Aber es gibt keine wilden Tiere mehr, die den Menschen hier in unserer industrialisierten Welt gefährden könnten. Da liegt man in der sicheren Behausung, mitten in der Nacht und das Gedankenkarussell dreht sich – wird durch immer neue Einfälle angeschubst und der Homo Sapiens ärgert sich.

Doch es gibt keinen Grund zum Ärgern, denn das war schon immer so. Das ist unser Erbe.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass der menschliche Rhythmus ein ganz anderer ist als das Korsett, in das unser Leben gepresst ist. Schlafforscher ließen Probanden 14 Stunden in kompletter Dunkelheit verbringen und das zeigte, dass der Nachtschlaf sich in zwei Phasen teilte – mit einer Stunde Pause.

Das passt zu dem, was Historiker in akribischer Suche herausgefunden haben. Sie arbeiteten sich durch Traktate und Zitate und fanden heraus, dass der Mensch jahrhundertelang in Blöcken von ungefähr vier Stunden schlief.
In den Wachzeiten erzählten sie sich Geschichten, besuchten Nachbarn, tranken ein Schöppchen; Gelehrte empfahlen diese Stunden zum Studieren und Lesen, Kirchenmänner empfahlen sie zum Beten und wieder andere zum Kinder zeugen.


Falls aber jemand von euch nun auf die Idee kommen sollte, in den nächsten schlaflosen Nächten beim Nachbarn auf ein Pläuschchen zu klingeln – also von mir habt ihr das nicht …

4 Gedanken zu “Nachtgedanken – schlaflos

  1. Liebe Sabine,
    das liest sich ja sehr interessant und hat mit „schlaflos in Seattle“ offenbar nichts zu tun.😉
    Dass es zwei Schlafphasen gibt war mir bekannt, wobei mir die Pause dazwischen aber neu ist.
    Meine Nachbarn haben getrennte Schlafzimmer, weil Sie Schlafstörungen hat und niemals würde ich auf die Idee kommen dort zu klingeln, wenn ich mal nicht schlafen kann. Dann schon lieber Schäfchen zählen… 🐑🐑🐑🐑🐑🐑🐑🐑😄
    Liebe Grüße von Hanne ins Spinnradl🕸️ und hab noch ein schönes erholsames Wochenende 🍀

    Gefällt 2 Personen

Du magst mitplaudern? Nur zu - ich freue mich über jeden neuen Knoten in meinem Spinnradl ***

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s