Kennt ihr das? Ihr lest ein Buch … es zieht euch rein … und irgendwann macht es „plöörrrffff“ und es fühlt sich an wie ein Ballon, aus dem die Luft gewichen ist oder ein herrlich aufgegangenes Hefegebäck, das im Backofen in sich zusammenfällt. 
So schmeckt es dann auch – plötschig quartschig – der Schluss eines Buches, das nicht hält, was es versprochen hat. Das ist um Klassen schlimmer als eine Lektüre, bei der man ein paar Seiten braucht, bis sie zündet; oder ein paar öde Stellen im weiteren Verlauf, bei denen ich mir denke – och, ein wenig kürzen und es wäre perfekt. Aber was ist schon perfekt … 
Alles nicht schlimm – doch ein Buch, das zum Ende hin abkackt, weil dem Schreibenden nichts mehr eingefallen ist/ der Verlag noch unbedingt ein paar Seiten mehr haben wollte/ die Deadline überschritten war …. 
In so einem Fall fühle ich mich um meine Lesezeit betrogen.


Und an dieser Stelle befinde ich mich gerade – ich sitze an der Erstfassung meines Manuskripts und das Ende naht, fehlen nur noch ein paar Szenen …


Befeuert – oder – ein ‚gutes‘ Ende schmieden.

Doch anstatt einfach das Ende der Rohfassung zu schreiben, schleicht sich meine alte Deutschlehrerin von hinten an den Stuhl und flüstert mir ins Ohr: 
So kannst du das aber nicht schreiben … so wird das nichts …


So funktioniert das wirklich nicht! Das ist keine Deutscharbeit, die korrigiert wird, sobald sie fertig ist. Nein – das ist eine Rohfassung, die ich bearbeiten kann. Ich kann sie striegeln wie ein struppiges Islandpony und dann erst ist der Roman fertig.
Ich kann an der Geschichte arbeiten, das Eisen im Feuer meiner Phantasie erhitzen und an den Szenen schmieden, bis sie ihre eigenen Wurzeln hat und sich im Gleichgewicht befindet … ooooha – jetzt geht die Phantasie wirklich mit mir durch ….


Danke dass ihr mich lest – jetzt ist mir wieder wohler und ich kann ein Ende finden. 
DAS Ende kommt dann noch.


Liebe Grüße
Sabine vom Spinnradl

29 Gedanken zu “Die Angst vor dem Schluss

  1. Da war dann die Luft wohl am Ende beim schreiben raus und das ist dann für die Leser wirklich sehr schade, mitunter auch ärgerlich.
    Aber trotzdem nicht ärgern, sondern erstmal tief durchatmen und dann auf ein Neues… 😉
    Liebe Grüße ins Spinnradl🕸️ von Hanne und komm gut in das hoffentlich erholsame sonnige Wochenende! 🌞🍀

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      1. Das wirst du bei deinen Geschichten bestimmt auch vermeiden… Denn auch aus den Fehlern oder eben nicht so tollen Abschlüssen anderer Autoren sowie deren Bücher kann man lernen, was du schon alleine mit dem Erkennen dieser ja schon tust.😉
        Liebs Grüßle 🤗

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  2. Liebe Sabine,

    wie, du schreibst ein Buch? So habe ich dich verstanden…?
    Ein schwacher Schluss ist wirklich enttäuschend, besonders bei einem Buch, das gut angefangen hat. Du bist durch (buchstäblich und in übertragenem), und denkst dir, joah… am schlimmsten finde ich es, wenn eine Situation nicht zufriedenstellend aufgeklärt wurde. Oder zumindest so, dass man damit gut einschlafen kann. Ich kann auch gut mit leben, wenn der Schluss Fragen aufwirft und dazu anregt, die Geschichte im Kopf weiter laufen zu lassen. Aber wenn die Story ganz unspektakulär zu ende ist, ja, dann fühlt man sich betrogen. Weil der Schluss eben das ist, worauf man „hinarbeitet“.

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

    1. Ja – es ist mein zweites.
      Für mein erstes hat sich zwar ein kleiner Verlag interessiert, aber man entschied dann doch, dass es nicht ins Programm passt. Also hab ich es einfach als Selfpublisher rausgebracht.
      Immerhin hatten die mir noch Tips gegeben, wo es Schwächen hatte.
      Bei meinem Zweiten bin ich grad am Schluss – und arbeite mich an meinem eigenen Perfektionismus ab 😄
      Liebe Grüße
      Sabine

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  3. Erst neulich habe ich ein Buch gelesen, das deiner Beschreibung voll und ganz entspricht. Der Autor hat seit jeher einen ganz dicken Stein bei mir im Brett, aber die letzten Abschnitte seines Werks haben sich ungemein zäh gelesen, und der Schluss war irgendwie enttäuschend…
    Ich bin ganz sicher, dass das bei deinem Roman ganz bestimmt nicht der Fall sein wird! Es wird von der ersten bis zur letzten Zeile lesenswert sein.
    Herzliche Grüße!

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  4. Meine liebsten Bücher sind die, die beim „Zuklappen“ dieses wahnsinnig schöne Gefühl zurücklassen, als käme man zurück von einer wunderbar beflügelnden Reise, die in mir neue Seiten zum Klingen oder alte zum Leuchten gebracht und meine Augen für neue oder besondere Dinge geöffnet hat.
    SonnigeFrühlingsgrüße mit Vogelgezwitscher…
    von Rosie 🌼🌼🌼

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  5. Liebe Sabine, THE STRUGGLE IS REAL. 😱

    Sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben möchte man dieses: „plööörrrfffff“ einfach nicht. Nein, nein, nein. Daher wünsch ich dir, dass du ein äußerst unplörfiges Buchende findest. Du kriegst das hin! 😊

    Alles Gute nochmals! VVN

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