Kommt schon mal vor, dass ich mitten in der Nacht etwas notieren muss, damit ich wieder einschlafen kann
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Heute vor 100 Jahren wurde Andrej Dmitrijewitsch Sacharow geboren. Er war ein russischer Physiker und promovierte 1947 in Kernphysik an der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Anschließend arbeitete er am sowjetischen Kernwaffenprogramm mit und war maßgeblich an der Entwicklung der Wasserstoffbombe beteiligt. 
Bis dahin war er überzeugt, dass nur ein nukleares Gleichgewicht Kriege verhindern könne. 

Doch in den folgenden Jahren setzte ein Umdenken bei ihm ein, und er stellte sich mehr und mehr gegen das sowjetische Regime. Er setzte sich ein für internationale Abrüstung, Menschenrechte, Demokratisierung der Sowjetunion und prangerte die Behandlung politischer Häftlinge an. 
Doch die Repressionen endeten nicht – also trat er selbst in den Hungerstreik. Für diesen Einsatz wurde ihm am 10. Dezember 1975 der Friedensnobelpreis verliehen, den seine Frau an seiner Statt entgegennahm.
Immer wieder setzte sich Sacharow mit Hungerstreiks für die Belange inhaftierter sowjetischer Bürgerrechtler ein. Damit wurde er endgültig zum Staatsfeind und musste bis 1984 unter Aufsicht des KGB in Gorki leben. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt blieb seine Frau. Die Verbannung dieses berühmten Paares endete 1986, und der damalige Parteichef Michail Gorbatschow bat ihn, seine politischen Aktivitäten wieder aufzunehmen. 
Obwohl er geschwächt war durch mehrere Herzinfarkte und die Folgen der Hungerstreiks, arbeitete er noch bis zu seinem Tod am 14. Dezember 1989 als Parteiloser bei einer Arbeitsgruppe mit, die versuchte, die sowjetische Verfassung zu reformieren.

Wenn ich von solchen Menschen lese, bin ich immer wieder tief beeindruckt. Wo haben sie diese Stärke her, einfach weiter zu gehen, auf Kosten ihrer Gesundheit und ihres Lebens. Gegen so viel Übermacht … 

In diesem Sinne – erinnere ich hier an einen großen Verfechter der Demokratie. 
Sie ist nicht perfekt – aber das ist der Mensch auch nicht – wie ich in einem meiner vorherigen Artikel schon einmal schrieb:
https://spinnradl.wordpress.com/2021/01/07/nachtgedanken-uber-gewaltenteilung/


12 Gedanken zu “Nachtgedanken – über mutige Menschen

    1. Genau darum wird hier ab und zu ein Beitrag zu diesem Thema erscheinen. Unser System ist nicht perfekt. Es passieren Fehler und es kann träge sein. Es ist das Abbild eines unperfekten Menschen, der immer wieder an sich arbeiten muss – wobei man das Gleichgewicht der Kräfte immer im Auge behalten muss.
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

  1. Wenn man so viel gegeben hat, dann kann man vielleicht nicht mehr aufhören. Weil man so vieles investiert, so vieles aufgegeben hat. Vielleicht kann man dann nicht anders als weiter zu machen.

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 2 Personen

      1. Das ist richtig. Deshalb versucht man, solche Bewegungen so schnell wie möglich zu unterbinden; wenn es einmal geklappt hat, macht das Schule… verständlicherweise…

        Liebe Grüße
        Kasia

        Gefällt 1 Person

    1. Wobei Sacharow zum Ende hin enttäuscht war, weil es ihm mit der Demokratisierung nicht schnell genug ging. Gorbatschow soll später sinngemäß gesagt haben – er (Sacharow) ginge in die richtige Richtung, aber damals zu früh zu weit.
      Liebe Grüße
      Sabine

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