Ribisel – Nachtrag

Ja liebe Leute, das Spinnradl war fleißig am Nachmittag. Sie war in den Johannisbeeren! Die Sonne lugte immer wieder zwischen den Wolken hervor und ließ Dampf aus nassem Grün emporsteigen. Ja – das war wirklich eine sehr schön schweißtreibende Angelegenheit. 
Danach wurde die reiche Ernte abgespült und zwischen den hübsch roten Beeren waren so kleine, harte, blasse Kügelchen:


Putzige kleine Schnecken! Na die trau’n sich was … auf meinen Johannisbeeren!
Kleines Schneckenragout - äh Haiku

An den Beeren
Schnecke schlotzt
gleich kommt sie in den Dampfkochtopf

 🙈

Drei Stück hab ich davon gefunden … und ich hoffe, es waren wirklich alle …
Sie durften dann wieder zurück auf die Wiese; weil – ich weiß ja nicht genau, was nach meiner irdischen Existenz kommt …
Der Himmel? Dantes Inferno? Ich bin ja eigentlich so eine Art restevangelisches Menschlein; aber das muss ja nichts heißen. Es könnte auch sein, dass die Buddhisten oder ähnliches Recht haben und ich komme nochmal auf die Welt. Und weil ich nicht immer brav war, wird mein Geist womöglich in eine Schnecken geschickt (aber bestimmt in eine Hübsche mit Häusle – so schlimm war ich nu auch wieder nicht). Andere Leute dürfen in ihrem nächsten Leben womöglich als Spinne von Zimmerecke zu Zimmerecke krabbeln … obwohl – wenn ich es recht bedenke – Leute erschrecken würde mir auch Spaß bereiten (solange sie nicht Schuhe auf mir ausklopfen)


 

 

Über drei Liter reinen Saft hab ich aus diesen Beerchen gedampftsaft – ei wer hätte das gedacht – welch eine Freude

Ribiseln – oder vier Tage zu spät

Ich bin zu spät – aber es war einfach zuviel los in den letzten vier Tagen.
Es ist nämlich wieder soweit; im Garten sind meine Johannisbeeren bald reif. Und was hat es mit den vier Tagen auf sich?


 


Johannisbeeren – auch Ribiseln genannt – haben diesen Namen bekommen, weil sie ungefähr am Johannistag (24. Juni) reif werden. Angeblich soll das der Geburtstag Johannes des Täufers gewesen sein.
Es ist die Zeit des Johannisfeuers und des Sammelns bestimmter Kräuter. Dazu gehört das Flechten von Johanniskränzen in die Kornblumen, Bärlapp, Farnkraut, Beifuß, Eichenlaub, Klatschmohn, Rosen, Lilien oder Rittersporn eingefügt werden.
In vielen Ländern haben sich in der Zeit um die Sommersonnwende Bräuche entwickelt. Oft sind es ehemals heidnische Feste, die im Zuge der Christianisierung umgedeutet wurden.



Ein besonders netter Brauch ist das Baden in Johannistau. Der Tau nach der Johannisnacht soll voller Kraft und Segen sein und den darin badenden Menschen von Krankheiten und Sommersprossen befreien.

Was mich anbelangt – so ist das nicht schlimm. Ich habe keine Sommersprossen. Die anderen müssen halt bis nächstes Jahr warten. Aber die Vorstellung mich nackich am frühen Morgen des 24. Juni in unserer Wiese zu wälzen – die finde ich nicht unverlockend … immerhin hatte ich an diesem Tag meine Corona-Impfung; also wenn das kein gutes Zeichen ist …



Für dieses Jahr werde ich jedenfalls meinen alten Dampfentsafter aus dem Keller holen, denn ich liebe Johannisbeergelee. Am Besten mit nur der halben Menge Zucker – dann wird er fein säuerlich und verursacht kleine Schauer beim Frühstücken  😁 

Sie ist wieder da – Oenothera biennis

Jedes Jahr dasselbe – ich freu mich mächtig, wenn ich ab Juni am Abend durch den Garten wandele  und mir die erste ‚Gemeine Nachtkerze‘ entgegenstrahlt. Vor allem zur Katzenstunde – wenn es ruhig wird in den Gärten und sich die Wesen der Nacht erst so richtig wohlfühlen – carpe noctem  🦇 🦇 🦇 für mich und die umherschwirrenden Fledermäusle.

Was ich bis vor Kurzem gar nicht wusste: Sie zählt zu den Neophyten und wurde im 17. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa eingeführt. 
Das Faszinierende an dieser Pflanze ist nicht nur ihr kräftiges Gelb, das man sogar in der Nacht wahrnehmen kann. Sie kann auch ihre Blüte in einer fließenden Bewegung öffnen – innerhalb weniger Minuten zeigt sie sich in voller Pracht und verströmt einen süßlichen Duft, der auch schon mal als unangenehm empfunden werden kann.


Oenothera biennis – gemeine Nachtkerze

Kurz nach dem Öffnen erfolgt die Bestäubung vor allem durch Nachtschwärmer, aber auch Bienen, Hummeln und Tagfalter fühlen sich angelockt.
An idealen Standorten kann diese zweijährige Pflanze bis zu zwei Meter hoch werden. Auf ihrer dicken Pfahlwurzel liegt die Blattrosette, aus der sich der Stängel erhebt – entweder einfach oder spärlich verzweigt. Die einzelnen Blüten leben nicht lang, doch sie bildet im Laufe ihres Wachstums immer neue – bis zu 120 pro Haupt-und Seitentrieb. Aus ihnen entwickeln sich dann Kapselfrüchte. Ist die Kapsel ausgetrocknet, reißt sie entlang der Rückennaht auf und bis zu 200 mit einem Flügelsaum versehene Samen können vom Wind davongetragen werden.
Da komme ich dann wieder ins Spiel … ich schneid sie ab und klopf das Gestrüpp an den Stellen aus, an denen ich gern noch mehr von ihnen hätte.

Sie wird übrigens auch Schinkenwurzel genannt – man muss sie allerdings ausbuddeln, bevor sie blüht, da die Wurzel sonst verholzt.
Sie werden wie Schwarzwurzeln oder Pastinaken zubereitet.

Bekannt ist hier vor allem das Nachtkerzenöl – es findet seinen Einsatz bei Ekzemen, trockener und empfindlicher Haut.
Es wird auch als oral einzunehmendes Heilmittel angeboten – allerdings geht seine Wirkung nicht über einen Placebo-Effekt hinaus.

Spinnradl unterwegs – bei den Geröllheimern

Habt ihr es schon einmal beobachtet – wenn ihr an einem heißen Sommertag an einer Reihe Vorgärten entlang geht, wie sich das Wärmegefühl ändert, je nachdem was dort wächst … wenn überhaupt etwas wächst? Von pflanzwedelig bis wüstentrocken kann alles dabei sein.


Hier mit
frisch gewaschenem Haar
vorbeilaufen
*
ratzfatz
ist es trocken.

Na ja – schon mal ein Anfang


Es muss ja nicht so urwüchsig wie im Spinnradl-Universum aussehen; aber ein bisschen Natur, das wär doch schön – oder?
Spätestens an einem heißen Sommertag wie er heute herrscht, dann merkt man den Unterschied.



Hinter unserem Haus stehen noch die Reste eines uralten Birnbaums. Zum Schluss war er nur noch ein Stamm mit ein paar kleinen Zweigen; also pflanzte ich an seinem Fuß eine Kletterwildrose. Die Umgebung gefällt ihr wirklich sehr gut – denn viele Jahre später ist ein Ungetüm daraus geworden, aus dessen Mitte sich noch ein Holunder hinausstreckt, darunter etwas Efeu. Kurz gesagt – es wurde zu einem Vogelparadies, bei dem Katzen und Elstern keine Chance haben. Im Sommer gibt es jede Menge Holunderbeeren, im Winter die Beeren des Efeus und Hagebutten und einmal im Jahr freuen sich die Menschen über den Anblick und den Duft:


Vom Segeln der Gedanken und Libellen

Der Sommer ist wieder mal gnadenlos – es gibt jede Menge zum Nachdenken – ich hab viel zu tun im Garten – ich hör mein Motorradl aus der Garage rufen: Komm doch! Fahren! – Die Wanderschuhe zwinkern mir zu – Meine Romanfiguren sind im Moment etwas sperrig – Und in meinem Teich gibt es jede Menge zum Staunen. 
Ich bin jetzt nicht so eine Meisterin der Fotografie wie einige Blogger hier, bei denen ich staunend am Bildschirm sitze; doch das Tierchen, das ich euch unbedingt zeigen will, ist an einer Stelle aus dem Teich gekrabbelt, bei der ich mich ziemlich verrenken musste, um es überhaupt fotografieren zu können. 
Und wieder schwärme ich vom Wunder der Natur:


Frisch geschlüpfte, noch etwas zerknautschte Libelle
Wenig später sind die Flügel glatt, ihre Adern müssen noch mit Flüssigkeit gefüllt werden
Die fertige Libelle lässt sich noch ein wenig in der Sonne trocknen

Libellula depressa – Plattbauch – gehört zur Familie der Segellibellen, erreicht eine Länge von ca. 25mm und Breite von 8 mm und ist eine Art Pionierbesiedler von Teichen. Ihre Larve kann sogar in Tümpeln überleben, die zeitweise ausgetrocknet sind, indem sie sich im Schlamm eingräbt. Im Jahr 2001 wurde sie zum Insekt des Jahres gewählt. 
Die Männchen funkeln in kräftigem Blau und die Weibchen in samtigem Goldbraun. 
Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich mir diese bohnenkleinen Larven anschaue – wie sich nach zwei Stunden dieses prachtvolle Insekt entfalten kann. Und wenn man das beobachtet – so sieht das Ganze nach harter Arbeit aus. Die Hülle reißt, sie quält sich hinaus und beginnt Blutflüssigkeit in die Flügel zu pumpen – eine gefährliche Phase. Ein Windstoß würde genügen, um die zart faltigen Flügel gegen das Schlupfsubstrat zu drücken und die Flügel wären zerstört. Anschließend richtet sie sich so gut es geht zur Sonne aus und lässt sich trocknen; erst dann entwickeln sich diese wunderschön schillernden Farben.


Und jetzt werd ich mich wieder meinen bockigen Figuren zuwenden
sterben oder nicht sterben – das ist hier die Frage …