So sah die Wäsche unserer befreundeten Familie nach dreimaligem Durchspülen aus, nachdem sich die schlammige Flut ins Untergeschoss gedrängt hatte. Die feinen Sedimente verkleben Oberflächen, dringen in kleinste Ritzen und können alle möglichen Schadstoffe enthalten, die das Wasser mitreißt.

Sobald sich das Wasser zurückzieht, muss der Schlamm entfernt werden – aber bevor er trocken ist. Und während mit vereinten Kräften der Kellerbereich geleert und gereinigt wird, helfen wir mit den Dingen aus, die anfallen, wenn der Homo Modernus keinen Strom im Haus hat. Bei uns (gerade so vom Hochwasser verschont) wird Wäsche gewaschen, zur warmen Dusche eingeladen, Akkus geladen, Geräte repariert …

Wobei – würden die Freunde lesen, dass ich sie bedauerte, hätten sie vehement abgewunken; schließlich ist das Haus bewohnbar und der auf dem Gehsteig abgelegte, durchweichte Kellerinhalt wurde schon abtransportiert. Da sind andere Flutopfer viel schlimmer dran.

Eine Zahl nur mal so am Rande: Allein in Erftstadt hat das Verwertungszentrum in vier Tagen mehr Abfall gesammelt als sonst in einem ganzen Jahr.

Auch die Leute von der Stromversorgung arbeiten sich von einem Verteilerkasten zum anderen. Aus ganz Deutschland sind sie zusammengezogen worden, um die Haushalte mit Strom zu versorgen. Straße für Straße, Haushalt für Haushalt wird kontrolliert wieder zugeschaltet.

Immer wieder rumpeln Kolonnen großer Fahrzeuge vorbei. THW, Bundeswehr, Baufirmen … aus allen Bundesländern herbeigerufen, nicht zu vergessen die vielen Freiwilligen, die sich auf den Weg machen.

Schwierig ist es noch immer in den engen Tälern – vor allem im Ahrtal. Dort gibt es im Wesentlichen nur eine Straße mit wenig Zufahrten und über die müssen Hilfsgüter hin- und Trümmerteile abtransportiert werden. Man wird noch viel Kraft und Unterstützung benötigen, bis sich das Leben dort halbwegs normalisiert.

Ab und zu geht die Aussage – hier in Deutschland würde ja gar nichts funktionieren – durch die sozialen Medien. Dazu kann ich nur schreiben: Nein, das stimmt nicht. Natürlich gibt es Schwierigkeiten, man kann nicht sofort überall sein; aber das ist kein Wunder bei diesem Ausmaß.

Es gibt noch etwas, das im Raum schwebt … wie soll es weitergehen? Wie kann man Brücken, Verkehrswege, Gebäude an mögliche Überschwemmungen anpassen?

Ganz zu schweigen von den Menschen. Bis vorletzten Donnerstag konnte sich hier keiner vorstellen, zu welchen Strömen diese kleinen Wasserläufe anschwellen können. Im hiesigen kollektiven Gedächtnis ist nichts dergleichen verankert. Und wie muss ich mich in solchen Situationen verhalten? Die schlechteste Idee: in den Keller gehen.

In einigen Regionen gibt es Ansätze, genau solche Szenarien zu vermeiden. So wurde in Euskirchen geplant, die Erft aus ihrem engen Bett zu holen und ihr ein Schwemmgebiet zu schenken. Im Weg stehende Bäume wurden bereits gefällt, und Anfang August sollte es losgehen … jetzt hat sich die Erft auf eigene Faust breit gemacht:

9 Tage später – träge fließt das Wasser dahin. Normalerweise wäre das Flüsschen mit Wiesenböschungen gesäumt.

28 Gedanken zu “Katastrophe, Chaos und hochgekrempelte Ärmel

  1. In der Politik geht nach den vielstimmigen Bekundungen des Entsetzens und Beteuerungen, dass man den Klimaschutz nun viel, viel ernster nehmen würde als jemals zuvor, das Zurückrudern schon wieder los. Zum K***en!… Ich wünsche so sehr, dass die Verantwortlichen nun wenigstens in den betroffenen Gebieten die Ärmel hochkrempeln und ans gute Werk schreiten.
    Alles Liebe!

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      1. Reagieren kann man, bis die Hölle einfriert – ändern wird sich dadurch nichts. Endlich mal sinnvoll und durchgreifend AGIEREN, das wäre die Devise…
        Und ich schließe mich Tom an, ich bewundere dich, wie klar und souverän du diese Situation meisterst.

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            1. Ich hab den Text nochmal korrigiert. Er war etwas missverständlich formuliert. Irgendwie scheint dieses kleine Display meine Formulierungs-Fähigkeiten etwas einzuschränken 🙈
              Ich freu mich, wenn ich mich wieder an meinem Computer austoben kann.

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  2. Ich bewundere Deine klare Sicht auf die Dinge. Einer der Vorteile hier in der großen Stadt ist, dass man von derlei Wetterunbill meist verschont bleibt. Das war früher anders. Da wurden Altstadt und vor allem die Au, im Volksmund „Bodwanna“, die Badewanne, regelmüßig überschwemmt. Bis man die Isar einfasste und ihr ein Flutbecken baute, in dem sie in aller Regel auch bleibt. Die erfolgreiche Renaturierung leistet ihr übriges zum Hochwasserschutz. Und selbst wenn: hier oben in Sendling, also auf der Isar-Hangkante, wird kein Hochwasser ankommen. Und wenn doch, dann hätten wir ganz andere Probleme.

    Nur blöd, dass es Dich erwischt hat! Doch statt zu jammern räumst Du auf, lobst die Hilfskräfte und findest auch noch, dass es andere weit schlimmer erwischt hat. Ich wünsche Dir viel Kraft beim Wiederaufbau. Und ich wünsche Dir, dass diese Flut ein einmaliges Ereignis bleibt. Ich wünsche Dir, dass die Städte, Kommunen und Gemeinden jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Und ich wünsche Dir, dass Dein Leben bald wieder ungetrübt weiter geht. Vor so viel positiver Kraft, wie ich sie aus Deinen Zeilen herauslese, habe ich den höchsten Respekt!

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    1. Uns hat es ja nicht richtig erwischt. Wir liegen eine Straßenecke zu weit und ungefähr 5cm zu hoch.
      In dieser Häuserreihe hat sich nur das Grundwasser in ein paar Keller gedrückt.
      Dass kein Internet da ist und das Mobilnetz etwas schwach – das sind nur Lästigkeiten.
      Liebe Grüße
      Sabine

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  3. In den sozialen Medien wird tagtaeglich viel Unsinn verbreitet. Den prominentsten Vertrete dafuer hatten wir ja bis vor einiger Zeit hier in den USA. Abere im Ernst: wqer von den Vielen, die z.B. auf Twitter jetzt ihren Unmut ausdruecken, ueberblickt schon die ganze Lage?
    Hier hatten wir ja im Februar einen katastrophalen Wintereinbruch, nach dem viele Menschen ohne Strom waren, und das trotz aller Anstrengungen der Elektrizitaetsversorgung in Extremfaellen bis zu 6 Wochen. Da habe ich so gut wie keine Klage gehoert oder gelesen.
    Ich halte Dir die Daumen!

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    1. Wir haben ja zum Glück Strom … deshalb wird bei uns geduscht und gewaschen. Ich glaub, ich muss das im Text klarstellen ( ich dachte, das ging aus meinem vorherigen Beitrag hervor)
      Jedenfalls bin ich nicht sooo unfroh, dass ich mit meinem Smartphone nicht so intensiv in solchen Ecken lesen kann. Das Mobilnetz ist sehr träge und das Schreiben eines WP- Artikels etwas mühselig.
      Liebe Grüße
      Sabine

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  4. Es ist schön zu hören, dass es voran geht. Das sich was tut und dass die Menschen nicht alleine gelassen werden. Besonders wertvoll von jemandem, der vor Ort wohnt. Mir war nicht klar, dass du auch dort in der Ecke bist, glücklicherweise ist euch nichts passiert…

    Liebe Grüße
    Kasia

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  5. Was für ein Glück das es euch nicht persönlich getroffen hat 🤗
    Das Ausmaß der Katastrophe und der Hilfseinsatz vor Ort sind aus der Ferne kaum zu erfassen. Die Medien geben das nicht wirklich her. Ich bin im Gedanken bei all denen die betroffen sind.
    🌈😘😎

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    1. Es ist wahrlich ein Alptraum. Hier freut sich gerade der nächste Straßenzug, dass er Strom hat. Viele haben ihre Heizungsanlagen im Keller und so mancher fragt sich, ob das bis zum Winter repariert werden kann, weil so viele betroffen sind.
      Aber wenn ich an die schlimm betroffenen Gebiete denke – Häuser Straßen … alles weg.
      Nachdenkliche Grüße
      Sabine

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  6. Liebe Sabine,
    toll dass Ihr Eure Hilfe so selbstverständlich anbietet.
    Es ist so unvorstellbar was die Betroffenen zurzeit durchmachen müssen.
    Es muss ja auch jeder Bach begradigt, jeder Flußlauf links und rechts zubetoniert und Auenwälder trocken gelegt werden.
    Und den Grünen glaube ich kein Wort mehr….hier in Hamburg haben sie (wg. Klimaschutz) sogar Kopfsteinpflaster-Straßen in Asphaltstraßen verwandeln lassen, damit Radwege auf der Straße ihren Paltz finden. Es waren gepflasterte Radwege vorhanden! Wenn es bei uns mal stark regnete, versickerte das Wasser schon tw. zwischen den Pflastersteinen. Jetzt bedecken große Pfützen die Straße. Ist nun auch einfacher das Gaspedal zu drücken, Fläche ist ja glatt. Bei Kopfsten wurde vorsichtiger gefahren. Ja, unsere zweite Bürgermeisterin Frau Fegebank hat ganze Arbeit geleistet……
    Für Dich aber gibt es heute Blümchen für Eure selbstlose Hilfsbereitschaft!

    Liebe Grüße
    Rika

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    1. 😊 danke schön.
      Aber es zeigt sich auch, dass es eine große Hilfsbereitschaft gibt. Unglaublich wo die Leute alle her kommen und in diesem Dreck arbeiten. Der Schlamm ist nämlich nicht ohne. Jetzt kommen Ärzte in die betroffenen Gebiete, um Tetanusimpfungen zu verabreichen.
      Liebe Grüße
      Sabine

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      1. Ja, die Seuchengefahr ist groß und auch eine noch so kleine Verletzung kann gefährlich werden. Ich freue mich über die allgemeine Hilfs- und Spendenbereitschaft. Mir bleibt nur zu spenden und ich hoffe die Spendengelder versinken nicht in dem Schlamm, sondern kommen an wo sie hin sollen: zu den Betroffenen.
        Liebgrüßle
        Rika

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  7. Liebe Sabine,
    zuerst einmal sind wir froh, dass du wohl relativ glimpflig davongekommen bist.
    Wir sahen nur die Bilder in den Nachrichten und waren echt schockiert. Allerdings haben wir Freunde in Kerpen und Dina auch im Nahetal, die schrecklich betroffen sind. Dennoch lobt jeder die Hilfsbereitschaft und Organisation der Helfer.
    Hier von England aus scheint es deutschlandtypisch zu ein, dass man meckern muss. Naja, eine kritische Einstellung mag ja gut sein, aber in solchen Katastrophenfällen ist sie sicher nicht hilfeich.
    Wir wünschen dir alles, alles Gute und bewundern dich für die tolle Hilfe, die du bereitstellst.
    Ganz liebe Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Ich denke, dass die unzufriedenen Stimmen für so manche Medien am interessantesten sind.
      Zudem gibt es noch eine Gruppe, die die Situation ausnutzt und Hetze verbreitet.
      Die überwiegende Mehrheit ist ähnlich eingestellt wie eure Freunde aus Kerpen und dem Nahetal.
      Meine Hilfe ist die kleine Freundschaftshilfe. Aber was die Menschen in den besonders betroffenen Gebieten leisten, das ist wahrhaft bewundernswert.
      Sie stehen einem Leid gegenüber, das ganz andere Dimensionen hat.
      Sie erleben Menschen, die alles verloren haben, Tote zu beklagen und alles geht nur langsam vorwärts, weil die örtlichen Gegebenheiten sehr ungünstig sind.
      🙏🏼
      Doch ich freu mich über die lieben Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer 😊
      Sabine

      Gefällt 2 Personen

  8. Liebe Sabine, ich hab mich soeben beim vorigen und diesem Beitrag durch Text und Kommebtarsektion geliked, weil ich es wirklich auch toll find, wie ihr schlicht und einfach euren Beitrag geleistet habt, um zu helfen. 💖

    Passt auf euch auf und ganz viel Kraft weiterhin! VVN

    Gefällt 1 Person

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