Noch immer darf mein Smartphone den Hotspot machen – nicht superschnell, aber es funktioniert. Und wie schon erwähnt, betrachte ich dies als klitzekleines Luxusproblem.

Seit dieser Woche sind in unserem Umfeld die Gehsteige von den Müllbergen befreit, nur die allgegenwärtigen Schlammreste (staubig oder matschig, je nach Wetterlage) erinnern an die Flut. Fast überall stehen die Kellerluken offen und es entsteigt der Geruch von feuchtem Mauerwerk und Holz, bei manchen vermischt mit dem von Heizöl.
Je näher ich dem Stadtzentrum komme, um so lauter wird das Gebrumm der Generatoren, die vor den Geschäften und auf den Plätzen stehen. Aus manchen Kellern wird noch verschlammtes Inventar heraus transportiert, während andere mit schwerem Gerät oder mit Hämmern die unteren Geschosse entkernen.
Es ist trocken und warm. Der aus den Häusern drängende Staub mischt sich mit Schwebteilchen des Schlammes und ich stelle fest – es atmet sich angenehmer, wenn ich den Mund-Nasen-Schutz während des ganzen Ganges durch die Stadt aufbehalte.




Für einen Vormittag mal etwas Frisches sehen – also machen wir am Sonntag einen kleinen Spaziergang auf eine Anhöhe, um wirklich frische Luft zu schnappen. Auf den ersten Blick sieht alles friedlich und sehr grün aus. Doch bei näherem Hinsehen erkenne ich den ein oder anderen schiefen Baum, dessen Wurzeln im aufgeschwemmten Boden zu wenig Halt findet.
Wir spazieren ein wenig am Hügel entlang und nach einer Weile geht es hinauf. Eigentlich ist der Anblick wenig spektakulär, aber wir gehen diesen Weg seit bald 30 Jahren immer wieder – wir kennen den Unterschied – so weggespült war er nach den schlimmsten Regenphasen nicht.



Wir können sehr schön sehen, was wirklicher Starkregen bedeutet und was er mit einem vormals festen Waldweg angestellt hat. Bis zum höchsten Punkt des Hügels sind es nicht einmal 80 Höhenmeter und oberhalb befindet sich zum Teil bewirtschafteter Wald.
Wenn das Wasser an diesem Winzhügel schon so viel Material mit sich reißt, kann ich mir gut vorstellen, was es für die tiefen, langen Täler bedeutet, in denen diese vielen, kleinen Rinnsale zusammenlaufen.

Das Eigenartige an der Sache ist ja – man weiß das schon lange. So gut wie jeder Kreis, jede Kommune hat ein Klimawandelanpassungskonzept, in dem Schwachstellen aufgeführt werden. Dort sind genau jene Gegebenheiten angeführt, die zu der Katastrophe in NRW geführt haben:
– Die Luft wird wärmer und kann mehr Wasser speichern
– Wetterereignisse verharren auf der Stelle und verursachen größtmögliche Schäden
– Der Boden ist durch Baumaßnahmen zu verdichtet
… u.v.m.
Das könnt ihr übrigens für eure Wohnorte auch ergoogeln – Klimawandel + Konzept + Stadt/Kreis – das ist wirklich aufschlussreich.

Ich bin gespannt, ob man in dieser Hinsicht etwas gelernt hat und diese Konzepte etwas energischer angeht. Bekommt der Fluss den Platz, den er benötigt? Werden Flächennutzungspläne angepasst? Was ist zu tun, wenn der Katastrophenfall eintritt? Schließlich nutzt es wenig, sich auf Smartphone & Co zu verlassen, wenn innerhalb weniger Stunden Netzkabel heraus- und Mobilmasten umgerissen werden, wer koordiniert wen … was …wann …

Extreme Wetter haben zugenommen – und sie werden es weiter tun. Sieht aus, als müsste man sich etwas eingehender damit beschäftigen.


11 Gedanken zu “Nur ein Waldweg – nur ein Bächlein – ein reißender Fluss

    1. Ich denk aber auch, es ist was anderes, wenn man eine Vorstellung von der möglichen Bedrohung hat.
      Ich hatte ja am Wochenende vorher schon gesehen, dass sich da was Ungutes zusammen braut. Und es wurden Überschwemmungen angesagt.
      Man hat mit Wasser in den Kellern gerechnet und ein paar Leute haben ihre Waschmaschinen und Trockner ins Erdgeschoss getragen.
      Aber solche Wassermassen 😬 waren für uns nicht vorstellbar.
      Dann hätte ich das Handy im Schlafzimmer gelassen. Man kann ja einstellen, dass es nur bei Notdurchsagen losdudelt.
      Liebe Grüße
      Sabine

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