Spaziergang-Entdeckung


Wir spazieren mal wieder eine Runde in der Umgebung herum (einmal um den Pudding sozusagen) … bissle Beine schwingen … bissle am Oktobergold erfreuen. Die Abendsonne schickt ihre letzten Strahlen durch die sich allmählich entlaubenden Wälder und wir gehen und plaudern und plötzlich krabbelt etwas schwarzes Längliches über den asphaltierten Weg.

Neugierig wie ich bin, schau ich natürlich genauer hin (huii das reimt sich).
Ich beuge mich runter und zack! Es macht einen auf böse:


Schwarzer Moderkäfer

Sobald sich etwas nähert, wird aus dem ungefähr 25mm langen Käferchen eine Art Vorsicht-ich-bin-gefährlich-Insekt. Erstmal fotografieren wir was die Smartphone-Kamera hergibt. Mit einem richtig guten Löwen-oder Linsenfutter-Apparat wäre es bestimmt schöner geworden – aber ich find’s nicht übel.
Ich kann’s natürlich nicht lassen und halt ihm einen Grashalm vor die Mandibeln (Klugscheißerwort für die großen Zangen  🤓 )
Es packt zu und am Hinterleib zeigen sich zwei weiße … äh … Dingens.
Wirklich spannend!

Zu Hause wird natürlich gegugelt:
Es ist ein Schwarzer Moderkäfer
Er sieht ähnlich aus wie der dunkle Raubkäfer, aber der hat keine Flügel. Beim genauen Hinschauen lässt sich ein wenig zarte Flügelhaut am Deckflügel erkennen.

Eigentlich ist dieser Käfer nichts Besonderes. Er ist in Europa weit verbreitet und lebt am Liebsten in feuchten Wäldern, Gärten und Auen. Mit seinen Mandibeln kann er ziemlich schmerzhaft zubeißen und am Hinterleib sondert er eine weiße Flüssigkeit ab, die übel riecht und eine ätzende Wirkung hat.

Er geht am Liebsten in der Nacht auf die Jagd und ernährt sich von wirbellosen Tieren; er verspeist auch sehr gerne Nacktschnecken, vielleicht sollte ich mal welche für meinen Garten sammeln


Nein, ihr Lieben, ich hab euch nicht vergessen – ich muss nur mit meinen die Konzentration bündelnden Kräften haushalten. Und zwischendrin wird gegärtnert.


Ich wink euch zu
und mach dann mal weiter
die Samurai im Wörterwald

Eigentlich wollte ich Pirat werden …

aber es war wohl gut dem anderen Weg zu folgen.
Ich sitze hier in einem festen Backsteinhaus am Schreibtisch und der Boden unter meinen Füßen schwankt … ähm … das erzählt jedenfalls mein Gleichgewichtssinn.
Ich war nämlich bis Sonntag das erste Mal auf einem Segelschiff unterwegs:


Nil Desperandum

Die Nil Desperandum gehört zu den Drei-Mastschonern, die nach einer Frachtschiff-Karriere nun das Ijsselmeer als Ausflugsschiffe kreuzen. Sie lief 1894 als Zwei-Mast-Klipper vom Stapel und transportierte bis ca. 1950 unter anderem Obst, Zucker, Rüben, Torf und Gülle. 1992 wurde sie zu einem Charterschiff umgebaut und bekam ihren jetzigen Namen: Nil Desperandum … lat. Verzweifle nicht.

Verzweifelt war ich nicht – aber ich trug die ersten zwei Tage ein mulmiges Gefühl mit mir herum, das sich immer dann verstärkte, wenn ich mich nach unten begab. Denn während die Optik sagte, alles sei in Ordnung, schau wie gemütlich und warm es hier ist – grätschte der Gleichgewichtssinn mit seinem ‚alles schwankt‘ dazwischen. Und der Verstand verstand die Welt nicht mehr.
Es half also nur eines: möglichst viel Zeit an Deck verbringen …


… und den Horizont nicht aus den Augen lassen.

Wir starteten in Makkum und kreuzten in vier Routen das Ijsselmeer. Übernachtet wurde (Hurra!) im Hafen.


Am dritten Tag hatte ich mich an den Schaukelzustand gewöhnt und die Sache wurde entspannter. Natürlich saßen die Mitreisenden nicht herum und sahen dem Skipper und seiner Matrosin einfach zu – oh nein. Es wurde mit angepackt beim Segel setzen und einholen, Seile aufschießen und und und … was man so als Schiffshelferlein Einfaches tun kann. Und wir waren immer wieder beruhigt fasziniert, wie die Profis trotzdem das Schiff mit den restlichen 17 Amateuren im Griff hatten.

Das Drollige ist ja – dieser Sinne-Irritierende Zustand geht nicht einfach so – schnipp – vorbei. Bei manchen Menschen kann er zwei, drei Tage anhalten. Bei mir dauerte es fast den ganze Montag, bis meine Außen- und Innenwelt wieder harmonierten.


So wie die Reise ist nun auch mein Manuskript an sein rohes Ende gekommen. Das heißt, es wird das scharfe Schwert der Korrektur angesetzt.
Es wird verschoben, umgeschrieben, Unklares geschliffen und das braucht Konzentration.
Die nächsten Wochen würde mich das Schreiben von Blogartikeln durcheinander bringen, deshalb wird hier für diese Zeit nichts passieren.

In diesem Sinne mache ich mich
nil desperandum
an mein Werk


bis demnächst
eure
Sabine