aber es war wohl gut dem anderen Weg zu folgen.
Ich sitze hier in einem festen Backsteinhaus am Schreibtisch und der Boden unter meinen Füßen schwankt … ähm … das erzählt jedenfalls mein Gleichgewichtssinn.
Ich war nämlich bis Sonntag das erste Mal auf einem Segelschiff unterwegs:


Nil Desperandum

Die Nil Desperandum gehört zu den Drei-Mastschonern, die nach einer Frachtschiff-Karriere nun das Ijsselmeer als Ausflugsschiffe kreuzen. Sie lief 1894 als Zwei-Mast-Klipper vom Stapel und transportierte bis ca. 1950 unter anderem Obst, Zucker, Rüben, Torf und Gülle. 1992 wurde sie zu einem Charterschiff umgebaut und bekam ihren jetzigen Namen: Nil Desperandum … lat. Verzweifle nicht.

Verzweifelt war ich nicht – aber ich trug die ersten zwei Tage ein mulmiges Gefühl mit mir herum, das sich immer dann verstärkte, wenn ich mich nach unten begab. Denn während die Optik sagte, alles sei in Ordnung, schau wie gemütlich und warm es hier ist – grätschte der Gleichgewichtssinn mit seinem ‚alles schwankt‘ dazwischen. Und der Verstand verstand die Welt nicht mehr.
Es half also nur eines: möglichst viel Zeit an Deck verbringen …


… und den Horizont nicht aus den Augen lassen.

Wir starteten in Makkum und kreuzten in vier Routen das Ijsselmeer. Übernachtet wurde (Hurra!) im Hafen.


Am dritten Tag hatte ich mich an den Schaukelzustand gewöhnt und die Sache wurde entspannter. Natürlich saßen die Mitreisenden nicht herum und sahen dem Skipper und seiner Matrosin einfach zu – oh nein. Es wurde mit angepackt beim Segel setzen und einholen, Seile aufschießen und und und … was man so als Schiffshelferlein Einfaches tun kann. Und wir waren immer wieder beruhigt fasziniert, wie die Profis trotzdem das Schiff mit den restlichen 17 Amateuren im Griff hatten.

Das Drollige ist ja – dieser Sinne-Irritierende Zustand geht nicht einfach so – schnipp – vorbei. Bei manchen Menschen kann er zwei, drei Tage anhalten. Bei mir dauerte es fast den ganze Montag, bis meine Außen- und Innenwelt wieder harmonierten.


So wie die Reise ist nun auch mein Manuskript an sein rohes Ende gekommen. Das heißt, es wird das scharfe Schwert der Korrektur angesetzt.
Es wird verschoben, umgeschrieben, Unklares geschliffen und das braucht Konzentration.
Die nächsten Wochen würde mich das Schreiben von Blogartikeln durcheinander bringen, deshalb wird hier für diese Zeit nichts passieren.

In diesem Sinne mache ich mich
nil desperandum
an mein Werk


bis demnächst
eure
Sabine


29 Gedanken zu “Eigentlich wollte ich Pirat werden …

  1. Eine Reise auf einem schönen, großen Segelschiff, ich geb’s ehrlich zu, darum beneide ich dich schon ein wenig… Piratin wollte ich als Kind übrigens auch werden, neben Astronautin, Schriftstellerin und Tierärztin. 😉
    Ich wünsche dir viel Erfolg!
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. 😄 Astronautin hätte mir auch gefallen.
      In der Grundschule war’s noch Ballerina – und weil ich körperlich nicht dafür geeignet war, bin ich auf Kampfsport umgestiegen. Als weiblicher Bruce Lee Filme zu drehen, das hätt ich auch sehr gut gefunden 😁
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

  2. Oha, da warst du ja ganz schön mutig, was bei Piraten ja auch dazugehört! 😎
    Eine sehr schöne Schifffahrt beschreibst du hier und ähnlich machten auch wir es vor vielen Jahren übers Ijsselmeer mit guten Freunden… Aber auf einem großen geliehenen Boot mit Motor und nicht so wackelig. 😀
    Liebe Grüße und danke fürs teilen 🍀🌺

    Gefällt 1 Person

    1. Ob ich im echten Piratenleben auch so mutig gewesen wäre 🤔
      ach ich denk, da wär ich schon reingewachsen 😁 Big Biene – der Schrecken der Meere 💥
      ⚓️
      Das war bestimmt eine schöne Fahrt – mit dem. Motorboot übers Ijsselmeer; vielleicht wär mir da nicht so flau gewesen …
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

      1. So wie du immer mit deinem Motorrad rüber kommst, warst du ganz bestimmt eine mutige und stolze Piratin gewesen… Cool Biene – die furchtlose Bezwingerin der Meereswellen. 😀
        Damals konnte man sich solche großen Boote in Holland mieten, mit dem wir dann zu acht über die Grachten ins Ijsselmeer schippern kann und unser Pech war damals, dass die Toilette am Ende kaputt ging, wobei sich immer mehr Wasser im Unterdeck ansammelte und wir diese Fahrt vorzeitig beenden mussten… Aber schon und interessant war es trotzdem.
        Liebs Grüßle, Hanne

        Gefällt 1 Person

    1. Als Kind liebte ich Abenteuergeschichten – da bin ich am Piraten-Dasein irgendwie nicht vorbei gekommen. Was mir auch gefiel, das waren die Erzählungen über den Goldrausch in Alaska und Trapper. Lieblingsfilm: „Der Mann in den Bergen“ 🐻
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

  3. Da hast du ja eine wunderschöne Reise hinter dir. Ich habe diese Schiffe schon gesehen, als wir auf dem Ijsselmeer gesegelt sind (mit einer Bavaria 38, also viel kleiner und jünger…) und ich würde darauf auch gern mal fahren. Oder auf der Alexander v. Humboldt II (das ist der Windjammer mit den grünen Segeln). Übrigens brauche ich immer so viele Tage wie ich auf dem Wasser war, um mich wieder an Land zu gewöhnen. Aber ich find’s nicht weiter schlimm.
    Ansonsten: Viel Erfolg für deine „Schleifarbeiten“😉.
    Liebe Grüße, Anja

    Gefällt 1 Person

    1. Oh jaaa die grüne Alex ist ein herrliches Segelschiff 😍
      Es war zum Glück nicht sehr schlimm – aber ein wenig lästig, weil die Fahrt nur vier Tage dauerte. Ich dachte noch, oh je … wenn du dich dran gewöhnt hast, ist die Tour vorbei.
      ⛵️
      Danke für deine guten Wünsche – kann ich gut gebrauchen. In dieser Phase fühlt sich das ein wenig an, als müsste ich auf einen Wurf halbwüchsige Katzen aufpassen und immer wieder büchst eine aus 😁
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

  4. Da werden Erinnerungen wach. Auf so alten Seglern war ich oft auf dem Ijsselmeer unterwegs. Auch bin ich da auf gecharterten Booten selber gesegelt, und auch von dort aus auf die Nordsee und in den englischen Kanal.
    Seekrank geworden bin ich gluecklicherweise nur einmal kurz, auf meinem ersten Dickschifftoern, von Amsterdam aus in den englischen Kanal, bei Windstaerke sechs voll „auf die Nase“. Da habe ich dann Neptun zwei oder drei Mal „opfern“ muessen, aber das war auch schon Alles. Unter Deck ging es prima, wenn ich nur schnell genug in die Horizontale, also in die Koje kam. Am zweiten Tag ging es dann schon ganz erheblich besser, und vom dritten Tag an war ich nie mehr – auch auf spaeteren Toerns nicht – seekrank. Waere auch ganz schlimm gewesen, bei meiner Segelleidenschaft.
    Liebe Gruesse, und nimm‘ Dir Zeit fuer die Korrektur Deines Manuskripts. Viel Erfolg damit,
    Pit

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    1. Da hast du aber einiges erlebt 😊
      Am ersten Tag war es ungefähr Windstärke 7; ist dann aber gegen Abend abgeflaut. Der zweite war etwas weniger. Dafür hatten wir am Sonntag über 2 Stunden hinweg Flaute 😅
      Da wurden alle Stöffchen gehisst, die das Schiff zu bieten hatte. Nach einer Weile kam doch noch Wind auf.
      Danke für deine guten Wünsche – im Moment muss ich mich konzentrieren können und die Fäden zusammenhalten, sonst entgleitet mir die Geschichte.
      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

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