Rolands Fotochallenge – Hütte

Im Moment habe ich nicht so viel Zeit für meinen Blog – aber wenn’s um Rolands Begriffe-Spiel geht, dann möcht ich doch gerne mitspielen:

https://royusch-unterwegs.com/2021/11/21/projekt-wochentliche-fotochallenge-39/

Das Thema ‚Hütte‘ ist dieses Mal dran. Spontan fiel mir eine Nacht ‚zwischen den Jahren‘ ein. Ich wollte einmal in meinem Leben Silvester nördlich des Polarkreises verbringen.
Da ist doch nur dunkel, sagten meine Freunde.
Im Prinzip stimmt das schon – aber dunkel ist nicht gleich dunkel. Ein wenig Schimmern bleibt übrig:



Immerhin war bei dieser Aufnahme noch früher Nachmittag und das Thermometer zeigte schlappe -26° an, die in der Nacht noch auf -30° sinken sollten.
Die Hütte steht ein paar Kilometer östlich von Kiruna und gehört zu einer von Samen geführten Rentierfarm, die auch Touristen beherbergen.
Das ist schon faszinierend, wenn man sich den Schal vor den Mund schlingen muss, weil das Einatmen schmerzt. Eigentlich wollte ich Polarlichter sehen; doch leider war es bewölkt – also keine Chance.
Schön war es trotzdem – vor allem sehr, sehr still.

Ich wink euch zu
und mach dann mal weiter
die Samurai im Wörterwald

Rolands Fotochallenge – Laternentraum

Roland hat uns wieder mit einem Begriff inspiriert:





Und ich antworte ihm mit einem Gedicht von Wolfgang Borchert:

Laternentraum

Wenn ich tot bin,
möchte ich immerhin
so eine Laterne sein,
und die müßte vor deiner Türe sein
und den fahlen
Abend überstrahlen.

Oder am Hafen,
wo die großen Dampfer schlafen
und wo die Mädchen lachen,
würde ich wachen
an einem schmalen schmutzigen Fleet
und dem zublinzeln, der einsam geht.

In einer engen
Gasse möcht ich hängen
als rote Blechlaterne
vor einer Taverne –
und in Gedanken
und im Nachtwind schwanken
zu ihren Gesängen.

Oder so eine sein, die ein Kind
mit großen Augen ansteckt,
wenn es erschreckt entdeckt,
daß es allein ist und weil der Wind
so johlt an den Fensterluken –
und die Träume draußen spuken.

Ja, ich möchte immerhin,
wenn ich tot bin,
so eine Laterne sein,
die nachts ganz allein,
wenn alles schläft auf der Welt,
sich mit dem Mond unterhält natürlich
per Du. 

Goldgelb – der Jahrtausendbaum im November

Jetzt ist es wieder soweit – in den Gärten und Parks färben sich die Blätter goldgelb. Ich schreibe vom Ginkgo Biloba, der auf das Jahr 2000 zum Jahrtausendbaum gewählt wurde. Er soll ein Mahnmal für Umweltschutz und Frieden sein.
Das Besondere an ihm – er gehört zu den ältesten Gewächsen unserer Erde. Abdrücke seiner Blätter finden sich bereits im Zeitalter des Jura, 150 – 190 Mio. Jahre. Sogar das Massensterben am Ende der Kreidezeit überlebte er. Er gehört weder zu den Laub- noch zu den Nadelbäumen sondern ist seine eigene Gruppe.

Seit etwa 1000 Jahren wird er in Ostasien als Tempelbaum verbreitet, und er gelangte ungefähr 1730 mit niederländischen Seefahrern nach Europa. Die ersten wurden im botanischen Garten der Universität Utrecht aufgezogen.

Er gilt in seinen jungen Jahren noch als etwas frostempfindlich, und Hirsche, Kaninchen, Mäuse und Schnecken können ihm etwas anhaben; aber wenn er groß genug ist, gehört er zu den robustesten Arten.
Wer noch mehr wissen will – Wikipedia weiß (fast) alles.


Auch in unserem Garten steht ein knapp acht Meter hohes Exemplar. Ich hatte es vor 21 Jahren als Geschenk in einem Töpfchen bekommen, ein Stämmchen mit zwei, drei Blättern dran. Nach einem Winter auf der Terrasse pflanzte ich es aus.
Und siehe da – es trotzte Trockenheit und Frost und erfreut uns wie noch vieles andere im November mit herrlich strahlenden Blättern.



Chinesen und Japaner verehren den Ginkgo als kraftspendend und erbeten unter ihm die Erfüllung ihrer Wünsche. Ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn meine Protagonistin neben der Stelle, wo sie ihre Rivalin vergraben hat, einen Ginkgo pflanzt …


… und weiter im Manuskript …

Rolands Fotochallenge „Sieben“

Mein Manuskript nimmt Form an … also kann ich wieder ein wenig hier mitspielen.
Roland hat einen neuen Begriff ins Netz geworfen:

Sieben

Es ist November. Es regnet und es ist kühl … Da hol ich sie wieder heraus … meine
Siebenmeilenstiefel

Seit über dreißig Jahren tragen sie mich durch den Winter. Ich weiß gar nicht, wie oft die schon beim Schuhmacher waren. Entweder neue Absätze oder gleich die ganze Sohle.
Super bequem sind sie nicht; ich hatte sie nämlich eine Nummer zu groß gekauft, damit meine Füße und dicke Socken reinpassen. Im Laufe der Zeit haben sie sich ausgeleiert und mit ihnen herumlaufen fühlt sich an wie ein Trainingsprogramm für Beinchen.



Hach ich liebe
den Herbst und
meine Siebenmeilenstiefel

… und ich mag die Gedichte von Rilke.


∼ Herbsttag ∼

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (Paris 1902)