Impfgegner gab es schon immer. Die Vorstellung, es könne etwas Unbekanntes in den Körper gelangen, das dort sein Unwesen treibt, verunsichert manche Menschen. Allerdings steht der wissenschaftsfreundliche Mensch vor einem Dilemma – ab welchem Punkt kann man die Ängstlichen noch mitnehmen – und wann lässt man es bleiben, weil die Botschaft nicht mehr ankommt.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Pockenimpfung Fahrt aufnahm, gab es zum Teil großen Widerstand, wobei die Argumente denen ähneln, die gegen die Covid-Impfung vorgebracht werden. Sie hatten religiöse Gründe, Furcht vor der Auslösung weiterer Erkrankungen und fühlten sich durch Zwangsimpfungen in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt. Auch damals wurden sie mit Freuden von Satirikern in Zeichnungen verewigt:


Karikatur zu Impfgegnern aus dem Jahre 1802

Seit den 1970er Jahren ist die Pocken-Impfpflicht in den meisten Ländern aufgehoben. In einigen Forschungszentren werden noch immer Pockenviren gelagert. Es gab Überlegungen sie zu vernichten; der Gedanke wurde allerdings verworfen – womöglich würde man sie noch zur Überprüfung von Impfstoffen brauchen …

Und was hat nun die Pockenimpfung mit Kanada zu tun?
Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg versuchten die Amerikaner Kanada zu erobern – der Versuch scheiterte. Nicht nur der harte Winter hatte den Invasoren zugesetzt; auch die Pocken hatten in der Armee zugeschlagen. Die Gegner aus dem Norden waren dank Variolation verschont.


Und wieder hat die Menschheit mit etwas zu tun, das man nicht sehen kann und das genau das tut, was es seit Jahrmillionen so macht – es sucht einen Ausweg, es mutiert; während wir lernen müssen, damit umzugehen, bis es in den endemischen Status übergeht.
Im Moment scheint der Umgang damit einigermaßen zu funktionieren. Bis jetzt ist das Gesundheitssystem „nur“ insoweit angespannt, dass „nur“ nicht eilige OPs verschoben werden. Wobei dieses „nur“ eben relativ ist. Denn es gibt Krankheiten wie Schlaganfälle und Herzinfarkte, bei denen es um Minuten gehen kann. Krebserkrankungen werden verschleppt. Ganz zu schweigen von Unfallopfern. Zudem ist medizinisches Personal nicht unverwundbar – auch sie können erkranken.
Über Verschwörungstheorien lass ich mich hier (für den Moment) nicht aus …

Zu Beginn haben wir noch auf Abstand gesetzt – jetzt gibt es Impfungen, die leicht angepasst werden können.

Man liest und hört immer wieder, die Pharmakonzerne wären die großen Gewinner der Pandemie. Das kommt allerdings nicht so ganz hin – sie könnten mit allerley Heilmitteln viel mehr verdienen; denn die Herstellung von Impfstoffen ist kompliziert und teuer.
Interessant ist ja auch, dass so mancher bekannte Impfgegner sich eine goldenen Nase mit Heilmitteln verdient …
Also lasst uns das Immunsystem weiter trainieren – denn genau das bedeutet „Impfung“

9 Gedanken zu “Kein Kanada ohne Pockenimpfung

  1. Danke für den interessanten Beitrag, liebe Sabine.
    Einige haben noch nicht verstanden, dass es nicht nur um Corona-Erkrankungen geht. Es betrifft auch die, die schwerwiegende Erkrankungen verschleppen, weil OPs verschoben werden müssen. Oder kein Platz für Notfälle ist.
    Schlimm finde ich das. Ich möchte nicht wissen, wie viele letztendlich sterben müssen, weil sie nicht rechtzeitig, schnell genug, behandelt werden können. Und die tauchen nicht in der C Statistik auf.

    Liebe Grüße und bleib gesund,
    Martina

    Gefällt 4 Personen

  2. Hier in Bayern war es zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der erste bayerische König Max I. Joseph die Pocken-Impfpflicht einführte, vorwiegend die Katholische Kirche, welche die Leut‘ gegen die Impfung aufhetzte. Von wegen, das sei ein Teufelszeug, und man würde nach dem winzigen Eingriff von wüsten Dämonen und dem Satan besetzt werden. Als ich das neulich irgendwo im WWW gelesen hatte, kam mir der betreffende Artikel höchst aktuell vor. Auch wenn es jetzt nicht die Kath. Kirche, sondern braunes und demokratiefeindliches Gesindel ist. Und natürlich auch Kurpfuscher aller Arten, die ihre angeblich so profunden, bis zur Unkenntlichkeit verdünnten Wässerchen und Globuli oder solch grenzwertige und höchst gefährliche Mittelchen wie Pferdewurmkuren, giftige Laugen und Säuren für verdammt teures Geld verhökern wollen.

    Gefällt 5 Personen

    1. Ja – das ist eine interessante Geschichte. Aber so ganz durch ist die katholische Kirche damit nicht. Es gibt ein paar, die das Ganze für eine Verschwörung halten und das im Netz auch noch verbreiten, ein hohes Katholiken-Tierchen ist dabei.
      Das ist wirklich eine Allianz des Grauens – Nazis, Esoteriker, Antisemiten, Hardcore-Religiöse jeglicher Couleur und jede Menge anderes Erwachten-Gesocks, das glaubt, die Weisheit befinde sich nur auf seiner Seite.
      Seufz 🕷 🕸

      Gefällt 5 Personen

  3. Danke für deine klaren Worte. Die Vernünftigen sollten sich mehr Gehör verschaffen und sich nicht auf das verzweifelte Geschrei sgn. QuerdenkerInnen einlassen. Deshalb fand ich auch deinen Beitrag so wohltuend, insbesondere die Einordnung in die Geschichte.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich hab ja auch kein Problem damit, wenn die Leut verunsichert sind. Aber wenn den Verunsicherten von Berufs-Querdenkern auch noch Fehlinterpretationen oder Lügengeschichten aufgetischt werden, dann kann ich etwas zornig werden.
      In diesem Sinne – lass unsereiner hör-und lesbar sein 🤓
      🎄Grüße
      Sabine

      Gefällt 2 Personen

  4. Auch mit dem, was an Kosten auf der ITS „verballert“ wird, könnten einige mehr Geld verdienen als mit der Impfung. Aber das geht ja zu Lasten der Allgemeinheit, das juckt so manchen eher wenig.
    Ich kann deinen Ärger sehr gut nachvollziehen, mir geht es ebenso. Am Schlimmsten finde ich aber die Gewaltausbrüche.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man an einem Corona-Patienten so viel verdient. Die Behandlung ist sehr personalintensiv, und bei jedem raus und reingehen in die abgesperrten Bereiche kostet das Zeit und Material.
      🤔
      Aber wenn ich mir die Impfdaten so anschaue – die allermeisten Menschen haben‘s ja verstanden (das beruhigt meinen Ärger dann doch 😊)
      Es ist eine kleine Gruppe, die so viel unnötigen Unfrieden stiftet.
      Liebe 🎄 Grüße
      Sabine

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      1. Du hast recht, ich hatte auch die Batterie an Medikamenten vor meinem inneren Auge, als ich das schrieb. Das viele Material, das nur kurz benutzt wird und dann in den Sondermüll muss, kommt ja auch noch als Kollateralschaden dazu.

        Es ist wie bei so vielem: eine lautstarke Minderheit ist in der Lage, der Mehrheit die Laune zu versauen.
        Dir auch liebe Grüße, Anja

        Gefällt 1 Person

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