Letztes Jahr an dieser Stelle beschäftigten mich die um Häuser streichenden Geister der Rauhnächte. Dieses Mal soll es um etwas anderes ‚Wüstes‘ gehen. Ich erinnerte mich nämlich an ein kleines Büchlein, als mir bei Netflix zu Weihnachten die Trilogie der „Sissi“ vorgeschlagen wurde:

In diesem Buch ist eine Auswahl der Gedichte des 2. Earl of Rochester, John Wilmot versammelt, abgerundet mit einer kurzen Biographie seines nicht allzu langen Lebens
(* 1. April 1647, † 26. Juli 1680).
Auch er litt seinerzeit unter dem höfischen Leben – allerdings nicht so unschuldig wie die zarte Sissi im goldenen Käfig der österreichischen Monarchie. Er war ein hübscher Junge mit außerordentlich schneller Auffassungsgabe und erfreute Würdenträger mit seiner Schlagfertigkeit.
Er wurde in eine Gesellschaft eingeführt, die sich gerade von den Anstrengungen des Chromwellschen Puritanismus erholte. Am 29. Mai 1660 zog Karl II. in London ein, um die Monarchie wieder herzustellen. Eine Zeit der Ausschweifungen und Tumulte begann, und bei Hofe – inklusive Geistlichkeit – herrschten lose Sitten.

John Wilmot war ein sehr vielseitiger junger Mann. Er wurde Teil der ‚Merry Gang‘, eine Runde geistreicher, den König umschwirrende Herren, und erfreute die Gesellschaft mit seinen anzüglichen Versen; er diente in der königlichen Flotte und wurde als Held gefeiert.
Mit neunzehn heiratete er die reiche Erbin Elizabeth Malet und führte mit ihr für ein paar Monate tatsächlich ein Eheleben. Doch er war nicht für die Monogamie geschaffen – und so kam er anschließend nur zeitweise zu seiner Ehefrau zurück, um sich vom anstrengenden Hofleben zu erholen.

Bereits mit zweiundzwanzig erkrankte John Wilmot an Syphilis und musste Quecksilberkuren über sich ergehen lassen. Es folgte ein unstetes Leben zwischen Stadt und Land, in dem er seine Beobachtungen in bitterböse Verse packte.
Als begeisterter Theatergänger lernte er eines Tages die nicht sehr talentierte Elizabeth Barry kennen. Wilmot schloss mit seinen Freunden eine Wette ab, nach der er sie innerhalb von sechs Monaten zu einer guten Schauspielerin ausbilden würde – und tatsächlich – es gelang.
Gelegentlich machte er den König zum Thema seiner Gedichte und Satiren, was ihm die zeitweise Verbannung vom Hofe einbrachte.
Während einer dieser Phasen soll er sich sogar als Doktor betätigt haben, der Wundermittel auf Quecksilberbasis verkaufte.
John Wilmot, 2. Earl of Rochester starb mit 33 Jahren an Syphilis und den Folgen seiner alkoholischen Exzesse.

Wieviel er geschrieben hat, das weiß man nicht so genau, denn einige seiner Werke hatte er unter falschem Namen unter die Leute gebracht. Er wird jedoch als Förderer von Künstlern und vor allem als Gesellschaftskritiker in Erinnerung bleiben.

Ich sollte noch hinzufügen – seine Schriften sind nicht ganz jugendfrei oder für zarte Gemüter geeignet.

Sein Leben wurde übrigens auch – wie ich finde – sehr interessant verfilmt: Unter dem Titel „the libertine“, mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

3 Gedanken zu “Wüstes zwischen den Jahren

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