Das Geschäftsleben kehrt zurück

Wie schön! Mein Lieblingsbäcker hat wieder geöffnet!
Eigentlich wollte ich schreiben: „Das Leben kehrt in unsere nicht ganz kleine Stadt zurück“; aber das wäre nicht korrekt gewesen. Es war und ist nämlich sehr viel Leben in und um die Häuser. Handwerker aus allen möglichen europäischen Ländern setzen die Bauten wieder in Stand. Und noch immer kann ich verschiedenste Reparaturstadien bewundern – von Bautrockner bis Laden-geöffnet ist alles dabei.





Bei den meisten sind gerade die Innenausbauten an der Reihe. Wer jetzt hier im Kreis einen Elektriker oder Installateur oder Maurer o.ä. braucht, muss viel Geduld aufbringen.
Straßenbauer sind ebenso ausgebucht und so manches Straßenprojekt muss aufgeschoben werden, weil die stark vom Hochwasser betroffenen Gegenden Vorrang haben.
Ich denke, die Schildermacher haben auch gut zu tun. Viele Landstraßen sind an den Banketten von Flüssen angenagt worden – also gibt’s ein Gefahrenschild, Geschwindigkeitsbegrenzung davor … das muss für eine Weile reichen.





Immerhin scheint gerade die Sonne … die Farben leuchten … das ist gut für’s Gemüt …



… und der Rest wird auch noch … bis dahin muss so mancher tiefergelegte Sportwagen in der Garage bleiben.
Wenn ich mir vorstelle – ein halbes Jahr ist es her, dass in dieser Straße nur die Dächer der Autos zu sehen waren …

Phase 3 eingeläutet – Immunsystem ist trainiert

Vor ein paar Tagen bekam ich meine dritte Impfung – dieses Mal mRNA von Moderna. Es fühlte sich an wie bei den anderen Trainingseinheiten: Am ersten Tag ein Gefühl, als komme eine Grippe auf, und am zweiten und dritten war ich müder als sonst. Dazu schmerzte der Oberarm ein wenig – aber auch das war schnell vorbei.



Wieder einmal bin ich fasziniert von dem, was so ein Körper dann leistet – ich hab’s schon mehrfach beschrieben:
https://spinnradl.wordpress.com/2021/08/20/impfung-die-zweite-mit-mrna-vehikel/

Dieses Mal möchte ich allerdings auf etwas Anderes hinaus. Pandemien sind ja nichts Überraschendes. Sie kommen nicht so regelmäßig wie Weihnachten und Ostern – es gab sie schon immer – und es werden sich wieder andere aufbauen.
Es liegt allerdings in unserer Hand, zu welchem Berg sie sich auftürmen … zu einem mit leichtem Schuhwerk begehbaren Mittelgebirge oder zu einem Himalaya, bei dem es Steigeisen und Sauerstoff braucht.

2002 wurden erste atypische Lungenentzündungen in China beobachtet und man nannte die Infektionskrankheit SARS – schweres akutes Respiratorisches Syndrom (severe acute respiratory syndrome). Bakterielle Erreger konnten nicht die Auslöser sein – denn es halfen keine Antibiotika. 2003 wurde man fündig und identifizierte ein neues Coronavirus. Das Beunruhigende war, dass 25% der im Militärkrankenhaus betreuten Patienten bleibende Schäden nach ihrer Entlassung zeigten. Seitdem wird seine Reise um die Welt beobachtet: https://www.dw.com/de/ein-virus-reist-um-die-welt/a-961107

Die WHO hatte es 2003 als Bedrohung eingestuft; aber es ist schwierig Menschen auf etwas vorzubereiten, wenn die Probleme so abstrakt erscheinen. Was hat man die Augen gerollt, als Schweinegrippe und Vogelgrippe auftauchten … es sei ja in Europa zum Glück nicht viel passiert … und was habe das überhaupt mit dem Menschen zu tun …
Doch Epidemiologen mahnen schon lange, man müsse sich vorbereiten.
https://www.dw.com/de/vogelgrippe-zwingt-zum-umdenken/a-1725252

Aber für dieses Mal ist das Influenza-A-Virus der Vogelgrippe aus dem Schneider. Es war ein Coronavirus, das durchstartete (und das auch noch exponentiell – Mathe lässt grüßen).
Wir leben in einer fast grenzenlosen Welt. Reisende können jede Menge zusätzlich mit sich herumtragen – von Bettwanzen bis Viren …
Auf Flughäfen sammelt sich das Leben, um sich wieder in alle Himmelsrichtungen zu verteilen.
Auf solche globalen Probleme kann es nur globale Antworten geben, denn dieses Virus hat viele Schwachstellen aufgedeckt. Angefangen bei der Kommunikation über die Produktion und Verteilung von Impfstoffen.
Auf lokaler Ebene müsste man die Gesundheitssysteme unter die Lupe nehmen und die Art und Weise, wie die Bürger aufgeklärt werden.
Was mindestens genauso wichtig ist – das Zusammentragen von Wissen, wie es zu solchen Viren kommt … hier ist die Tierhaltung ein wichtiger Faktor.
Und ich denke, eine Neujustierung des Wirtschaftslebens wäre nicht übel … aber das gäbe Material für einige Blogartikel.
Wen es interessiert – ich hab mal bei einem Essaywettbewerb einen Text im Rahmen des Engels-Jubiläums geschrieben. Ich hab zwar nix gewonnen, aber die Beschäftigung mit diesem Thema war superspannend:
https://www.dieboerse-wtal.de/engelsessay/Wettstreit-der-Systeme.php

Der weite Blick – auf Baum und Strauch

Es gibt so viele verschiedene Arten durch die Welt zu gehen. Ich kann vor mich hin flanieren, in Gedanken versunken über die Ungerechtigkeiten in der Welt, meinen nächsten Einkaufszettel, den Schluss meines Romans oder den Blick schweifen lassen – auf der Suche nach dem Schönen, Hässlichen, Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen:


Der letzte Apfel vor blauem Himmel … wie er leuchtet … mir kommt es fast vor, als werfe er sich mächtig in die Brust: schau mal, wie schön ich bin …



Und was will uns dieser Handschuh sagen?
Öffne dein Herz, oh Wanderin, sei demütig angesichts der dich umgebenden Natur … und schau dir die hübsche Gelbflechte an



Wanderin es ist kalt – aber wenn du jetzt nicht Mütze und Handschuhe ausziehst, bist du oben angekommen fürchterlich eingeschwitzt, und der Bad-Hair-Part deines Tages beginnt.



Ja – er ist schwarz, glänzt wie Satin und war wohl sehr unbequem … warum sonst sollte frau ihn so weit hinauf schleudern, wenn nicht aus einem Gefühl der Erleichterung.



Ich kann natürlich auch während des Gehens auf’s Smartphone schauen – aber ich denke, da würde ich noch viel mehr verpassen als die kleinen, fotografischen Fundstücke: Pfosten … Hundehaufen … mir entgegen kommende Freunde und Feinde … Pfützen …

Die Engel backen Plätzchen – und eine Aue entsteht

Ja – ich weiß – die schöne Farbe am Himmel ist nur Dreck in der Atmosphäre … aber ihr müsst doch zugeben: Es ist hübscher Dreck.



Das will ich nun zum Anlass nehmen hier zu zeigen, was im Park unserer kleinen Stadt so passiert ist, nachdem sich die Wassermassen durch sie hindurch wälzten.


Januar 2021 – Die ersten Bäume für die Erft-Renaturierung sind gefällt

So geradlinig sah die Erft noch im Januar 2021 aus. Für Stadtentwicklung und Landwirtschaft ist diese Gewässerführung nun mal praktischer. Hinzu kommt, dass durch die Rheinischen Braunkohlereviere der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde und die Gewässer keinen Anschluss an das Grundwasser haben. Es konnte also vorkommen, dass hier in so manchem Sommer nur ein Bächlein durch die Regen-Rinne plätscherte.
Zu allem Übel fanden auf diesen Wiesen immer wieder Flohmärkte und andere Veranstaltungen statt, bei denen die Fahrzeuge den Boden ordentlich verdichteten.

Aber der Mensch ist ja lernfähig … im Prinzip … und man gibt sich Mühe, das Problem anzugehen. Es wurden auf den ersten Blick ambitioniert wirkende Klimawandelkonzepte erarbeitet; wobei die hiesige Region einen zusätzlichen Faktor hat, der berücksichtigt werden will: Der Braunkohle-Tagebau wird weiterwandern und irgendwann eingestellt. Das heißt, der Grundwasserspiegel wird ansteigen.

Also wurde ein Plan ausgearbeitet, um die Erft zu renaturieren. Im Januar 2021 fällte man dafür die ersten Bäume … es kam der Juli … und mit ihm ein Hochwasser, mit dem in dieser Form keiner gerechnet hatte.

Nachdem in der Stadt die schlimmsten Folgen beseitigt worden waren, entschloss man sich, das Renaturierungsprojekt fortzusetzen. Die meisten Brücken müssen ohnehin neu gebaut werden – also machten sich große Bagger daran, der Erft ein neues Bett zu graben, um veränderte Strömungsverhältnisse zu ermöglichen.


Das Foto ist von derselben, letzten Brücke aufgenommen wie das obere – jedoch mit Weitwinkel

Bei diesen unterschiedlichen Strömungsverhältnissen kann sich eine viel reichhaltigere Artenvielfalt entwickeln und damit würde sich auch die Wasserqualität verbessern. Im nächsten Schritt erfolgt die passende Bepflanzung. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die Biodiversität erweitert wird, sondern bewirkt, dass aus einer plattgewalzten Ebene ein Schwemmgebiet wird, das viel mehr Wasser aufnehmen kann.

Es wird eine Weile dauern, bis sich ein einigermaßen natürliches Gleichgewicht eingestellt hat, und man wird das Werden noch lange begleiten müssen; aber ein Anfang ist gemacht.
Also ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort herum spaziere – und ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr aussieht …

Data und die Freie Denkerin

Ich hab den Eindruck, als schaue mein kleiner Data etwas erstaunt, weil ich mich noch immer über die Spock-Spardose auf Marthas Blog freue.
Seit er mir vor über 25 Jahren als Mitbringsel aus den USA mitgebracht wurde, steht er auf meinem Schreibtisch und schaut zu, was ich so tue.



Ich glaube, nicht jeder kennt Lt. Commander Data aus der Serie ‚Star Trek‘. Er ist ein Android, der fast perfekt wirkt und auf alles superschnell eine Antwort hat – außer es handelt sich um menschliche Interaktionen.
Und weil er ein wissbegieriges ‚Individuum‘ ist, studiert er die Eigenheiten der Menschen sehr genau und versucht sie zu imitieren. Das kann zu sehr lustigen Szenen führen – doch es kommt auch vor, dass er zum Nachdenken anregt; vor allem wenn er die Widersprüchlichkeiten der Spezies ‚Mensch‘ ausleuchtet.


Captain, the most elementary and valuable statement in science, the beginning of wisdom, is, „I do not know“ … I do not know what that is, sir.

Dieses Zitat gefällt mir im Moment besonders gut. Es gebe immer eine Phase in der Naturwissenschaft, bei der man erst einmal sagen müsse – ich weiß es nicht. Genau hier läge der ‚Beginn von Weisheit‘.

Und jetzt?
Jo – jetzt haben wir eine neue Virusvariante – und ein Problem. Die Wissenschaftler wissen viel über seine Struktur; sie wissen, wie man einen Impfstoff herstellen kann; sie wissen, dass es das macht, was alle Viren tun – es mutiert fleißig vor sich hin.
Jetzt hat es sich dahingehend verändert, dass es sich so schnell verbreitet wie Masern – und jetzt wird es schwierig. Ab jetzt ist Schluss mit Wissen und es geht vor allem um Wahrscheinlichkeiten.
Selbst wenn es die Menschen nicht mehr so schnell in die Intensivstationen schickt wie seine Vorgänger – Vorbereitung ist angesagt; denn niemand weiß, wieviele Menschen werden tatsächlich krank (und die anderen Mutanten sind ja auch noch da).
Das betrifft vor allem Menschen aus dem Gesundheitssektor und aus den Bereichen der Infrastruktur. Die kann man nicht einfach so ins Homeoffice schicken.
Dabei geht es nicht nur darum, dass sich die Krankenhäuser mit Corona-Patienten füllen – es geht auch darum, dass jene, die jetzt Hilfe benötigen, sie nach wie vor bekommen.
Niemand der einen Herzinfarkt erleidet, hat die Zeit, um drei Stunden auf einen Transport zu warten. Kein von der Leiter gefallener Verletzte will stundenlang bis zur Versorgung ausharren …

Und was können wir tun?
Och – jede Menge. Wir können je nach den persönlichen Möglichkeiten Kontakte vermeiden und Mundschutz tragen und uns impfen lassen. Das ist nämlich wirklich sehr viel.

Ich hoffe, dass der menschliche Organismus bald gelernt hat, mit diesem Virus umzugehen. Möge es in den endemischen Zustand übergehen und sich in die Reihe der üblichen Grippeverdächtigen einreihen, gegen die man sich impfen lassen kann.

Doch ein weiteres Problem an der Sache ist, dass diese dynamisch ungewisse Situation von ein paar Menschen ausgenutzt wird, eben WEIL das Wissen um dieses Virus auf die bisherigen Erkenntnisse aufbaut. Dort wo sich wirkliche oder vermeintliche Lücken auftun, schlagen sie hinein – die Scharlatane, Wunderheiler und alle, die vorher schon an die Säulen der Demokratie pinkelten.
Was mich jedoch beruhigt – die Unzufriedenen sind in der absoluten Minderheit. Und der richtig große Teil trägt die Situation mit Fassung … mehr oder weniger; denn manche müssen wirklich darunter leiden. Danke dass ihr trotzdem dabei bleibt.