Ja – ich weiß – die schöne Farbe am Himmel ist nur Dreck in der Atmosphäre … aber ihr müsst doch zugeben: Es ist hübscher Dreck.



Das will ich nun zum Anlass nehmen hier zu zeigen, was im Park unserer kleinen Stadt so passiert ist, nachdem sich die Wassermassen durch sie hindurch wälzten.


Januar 2021 – Die ersten Bäume für die Erft-Renaturierung sind gefällt

So geradlinig sah die Erft noch im Januar 2021 aus. Für Stadtentwicklung und Landwirtschaft ist diese Gewässerführung nun mal praktischer. Hinzu kommt, dass durch die Rheinischen Braunkohlereviere der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde und die Gewässer keinen Anschluss an das Grundwasser haben. Es konnte also vorkommen, dass hier in so manchem Sommer nur ein Bächlein durch die Regen-Rinne plätscherte.
Zu allem Übel fanden auf diesen Wiesen immer wieder Flohmärkte und andere Veranstaltungen statt, bei denen die Fahrzeuge den Boden ordentlich verdichteten.

Aber der Mensch ist ja lernfähig … im Prinzip … und man gibt sich Mühe, das Problem anzugehen. Es wurden auf den ersten Blick ambitioniert wirkende Klimawandelkonzepte erarbeitet; wobei die hiesige Region einen zusätzlichen Faktor hat, der berücksichtigt werden will: Der Braunkohle-Tagebau wird weiterwandern und irgendwann eingestellt. Das heißt, der Grundwasserspiegel wird ansteigen.

Also wurde ein Plan ausgearbeitet, um die Erft zu renaturieren. Im Januar 2021 fällte man dafür die ersten Bäume … es kam der Juli … und mit ihm ein Hochwasser, mit dem in dieser Form keiner gerechnet hatte.

Nachdem in der Stadt die schlimmsten Folgen beseitigt worden waren, entschloss man sich, das Renaturierungsprojekt fortzusetzen. Die meisten Brücken müssen ohnehin neu gebaut werden – also machten sich große Bagger daran, der Erft ein neues Bett zu graben, um veränderte Strömungsverhältnisse zu ermöglichen.


Das Foto ist von derselben, letzten Brücke aufgenommen wie das obere – jedoch mit Weitwinkel

Bei diesen unterschiedlichen Strömungsverhältnissen kann sich eine viel reichhaltigere Artenvielfalt entwickeln und damit würde sich auch die Wasserqualität verbessern. Im nächsten Schritt erfolgt die passende Bepflanzung. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die Biodiversität erweitert wird, sondern bewirkt, dass aus einer plattgewalzten Ebene ein Schwemmgebiet wird, das viel mehr Wasser aufnehmen kann.

Es wird eine Weile dauern, bis sich ein einigermaßen natürliches Gleichgewicht eingestellt hat, und man wird das Werden noch lange begleiten müssen; aber ein Anfang ist gemacht.
Also ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort herum spaziere – und ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr aussieht …

12 Gedanken zu “Die Engel backen Plätzchen – und eine Aue entsteht

    1. Ja da gibts wunderschöne Gegenden. Da darf jetzt seit über fünfzig Jahre die Natur vor sich hin wachsen. Nur die Seen müssen zum Teil ab und zu von Unterwasserpflanzen gereinigt werden, weil die Wildgänse ihre Käckerchen hinterlassen.

      Man darf gespannt sein, was aus den großen Tagebaugruben gemacht wird. Inden, Hambach und Garzweiler wären riesig. Man befürchtet Erdrutsche (so wie in Sachsen-Anhalt; da sind ganze Häuser weggerutscht). Aber es ist halt teurer Löcher aufzufüllen, als einfach Wasser reinlaufen zu lassen.
      Der bei Inden hat schon den Namen der „Indesche Ozean“ bekommen 😄

      Liebe Grüße
      Sabine

      Gefällt 1 Person

      1. Bei diesen Riesenloechern bin ich auch gespannt, liebe Sabine. Es gibt aber ja auch Beispiele aus dem Osten der Republik, wo man dabei ist, prima Seenlandschaften daraus zu machen. Die Dinge liegen da zwar etwas anders, muss ich zugeben, denn die Loecher Hambach und Garzweiler sind ja enorm tief, was mir bei denen im Osten nicht so scheint. Aber trotzdem waere ich dafuer, Seen(landschaften) draus zu machen. In meiner Bonner Zeit habe ich es naemlich immer sehr bedauert, keinen geeigneten See fuer meine Jollensegelei zu haben, sondern immer mindestens zum Rursee [seglerisch nicht ganz einfach] und fast immer nach Belgien [zu Kiesgruben an der Maas] fahren zu muessen.
        Den Begriff „Indesche Ozean“ finde ich gut. Auch wenn die Anwohner dort den „Ozean“ wohl weniger gut finden.
        Liebe Gruesse,
        Pit

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