Mein knapper, naturwissenschaftlicher Stil …

Dieser Satz hatte in der Oberstufe nicht nur einmal den Rand meiner Deutsch-Klausuren verziert:
„Du hast einen knappen, naturwissenschaftlichen Stil“
Also wandte ich mich Richtung Naturwissenschaft und Technik – ist ja auch alles sehr interessant.
Aber im Grunde meines Herzens hing ich an allem, was mit Büchern und Sprache zu tun hatte – und das seit ich diese gut riechenden Dinger mit den vielen Blättern selbst in die Hand nehmen konnte.
Dann kam die Schulzeit – das versprach eine spannende Sache zu werden. Ich würde lesen und schreiben lernen und vieles mehr … wäre da nicht das Umfeld: Mindestens 40 Mitschüler und eine der Hölle namens „Schwarze Erziehung“ entstiegene Lehrerin. Zum Glück ‚wurde‘ sie nach zwei Jahren gegangen und die Nachfolgerin machte so manches wieder gut.


Babyboomer der 60er

Allerdings hatte sich in dieser Zeit eine gewisse Grundhaltung eingestellt – ich tat das, was empfindliche Geister so tun: Sich unauffällig verhalten, mit einem Teil der Sinne die Lage beobachten, während der andere die Phantasie auf Wanderschaft schickte.
Auf dem Gymnasium war es schon besser; allerdings war das mit der Phantasie so eine Sache … ich lag bei Deutscharbeiten immer wieder daneben … Thema verfehlt.
Also lernte ich, mich noch besser anzupassen. Ich schrieb das, was die Lehrer lesen wollten und keinen Buchstaben mehr.
Das war erstaunlich – während meine Mitschülerinnen zehn, fünfzehn Seiten vollschrieben, war ich nach zwei … drei schon fertig. Es stand alles drin – warum also unnötig schwafeln.
Es folgte ein Super-Schwenk: von einer reinen Mädchenschule zu einer FH mit einem damaligen Frauenanteil von ca. 2%

Und das Schreiben? Das kam viele Jahre später wieder zurück – beim Lernen einer neuen Sprache und dem Übersetzen literarischer Texte. Da war es wieder! Das Spiel mit den Wörtern, das Fließen lassen der Phantasie.

Der Hemmschuh „Perfektionismus“ ist zwar noch immer da und droht den kreativen Prozess auszubremsen – aber auch das wird besser.
Allerdings ist dieser nach dem kreativen Prozess einsetzende Teil genauso wichtig – mein Samurai, der mit dem Schwert alles Unnötige entfernt.

In diesem Sinne
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weiter im Text


Und das Flötenburschi passt auf: