Ich denke, es geht nicht nur mir so – ich kann mich schwer aus diesem Nachrichtenstrom lösen. Also blieb der Computer für zwei Tage runtergefahren, denn es hilft niemand, wenn ich in Echtzeit am Geschehen dran bleibe.
Inzwischen widmete ich mich dem Alltäglichen und der Wochenzeitungs-Lektüre, die mir dabei helfen sollte, die Gedanken besser zu sortieren … ich sehe dann nicht alles schwarz … auch wenn es mir manchmal schwer fällt.

Heute Morgen war es wieder soweit – eine klitzekleine Hoffnung wollte in den Sechs-Uhr-Nachrichten hören, dass kluge, mutige Russen in der Nacht in den Kreml eingedrungen waren und all die Kriegsverbrecher in den Knast packten.
Aber der, dessen Namen ich nicht einmal schreiben will, legt noch eine Schippe drauf.
Es ist wirklich zum Verzweifeln, denn diese Katastrophe fühlt sich wie ein Rückschlag in der Entwicklung des menschlichen Seins an und stellt uns zudem ein paar unangenehme Fragen.
Wären wir bereit unsere demokratischen Errungenschaften – auch wenn nicht alles perfekt ist – mit dem Schwert zu verteidigen?
Und wie halten wir es mit unserer Art zu Leben und zu Wirtschaften? Profit um jeden Preis? Ausgetragen auf den Rücken ärmerer Menschen und der Umwelt? Gemeinsam mit Autokraten?
Schon die Corona-Epidemie hat die Grenzen unserer Lebensweise aufgezeigt.
Bei uns erinnerte das Hochwasser daran, dass wir natürliche Prozesse lieber ignorieren.
Wenn das wirklich stimmt, dass die Menschen nur aus Krisen lernen können – dann müsste es einen mächtigen Sprung nach vorne geben.

Oder um es mit den Worten der beeindruckenden Amanda Gorman zu sagen:

For there is always light, if only we’re brave enough to see it, if only we’re brave enough to be it
Frei übersetzt bedeutet das:
„Denn es gibt immer Licht, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen – wenn wir nur mutig genug sind, es selbst zu sein.“

Immerhin macht der Frühlingsanfang seinem Namen alle Ehre und ich kann schon mal im Garten werkeln.
Ich weiß – Efeu ist im Prinzip ganz toll; aber es wuchert auch ganz doll und dann bleibt nur die Schere.

12 Gedanken zu “Nicht nur schwarz sehen …

  1. Liebe Sabine, das sind Themen, die auch mich bewegen. Heute Morgen schrieb ich einen langen Kommentar zum Thema Wirtschaft auf einen anderen Kommentar zu meinem letzten Eintrag. Es ist mir nicht wohl mit meiner Haltung, aber ich bin immer noch davon überzeugt, die beste Friedenssicherung sind gute Geschäfte. Wenn du magst, lies mal hier.
    Liebe Grüße, Reiner

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    1. Ich hab das heut Vormittag gelesen – zum Schreiben braucht ich mehr Zeit 🙂 … komm gleich rüber …
      Eigentlich bin ich ja auch davon überzeugt, dass Handel treiben immer die bessere Option ist … wäre.
      Aber so wie Handel von westlicher Seite aus im Moment praktiziert wird, hat sich unser System angreifbar gemacht, denn der läuft oftmals alles andere als fair ab. So etwas wie Ethik spielt kaum eine Rolle. Wenn ein autokratisches Regime die besseren Preise macht – dann wird das akzeptiert und das Regime damit zementiert.
      In dieser Hinsicht gibt es noch jede Menge zu tun.
      Liebe Grüße
      Sabine

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  2. Ich kann Dich gut verstehen, liebe Sabine. Was mich so sehr bedrueckt und manchmal depressiv macht ist meine Ueberzeugung, dass wir hier vor einem unloesbaren Zwiespalt stehen: auf der einen Seite muesste dieser Krieg so schnell wie moeglich – geht natuerlich nur mit einer Verhandlungsloesung – beendet werden, aber auf de anderen Seite wissen wir doch, dass Putin sich nie an Vertrage gehalten hat und das auch in Zukunft nicht tun wird. Fuer mich selber sehe ich keinen Ausweg aus diesem Dilemma, sondern nur weiteres unsaegliches Leiden fuer die geschundene Ukraine.
    Liebe – und traurige – Gruesse,
    Pit

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    1. Dieser Zwiespalt ist wirklich kaum auszuhalten. Es klingt bitter – aber der größte Fehler in der Geschichte der Ukraine scheint der Abbau der Atomwaffen gewesen zu sein (ich glaub jetzt echt nicht, dass ich das hier hinschreibe … aber ich lass es einfach stehen)
      Im richtigen Leben gibt’s halt keinen Chuck Norris, der mal schnell in Putins Schlössle hüpft und die Sache in Ordnung bringt.
      Samstag Abend hab ich mir zur Ablenkung den Directors Cut von „Zack Snyders justice league“ reingezogen 😶 ein Helden Epos at it’s best. Vier Stunden Aquaman, Batman, Superman, Wonder Woman und und und
      Wir sind nicht allein, lieber Pit
      Grüße
      Sabine

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  3. Tja. Was soll man mit Putin noch sagen? Heute haben wir in unserem Management Meeting über die Wahrscheinlichkeit eines dritten Weltkrieges gesprochen. Unser oberster Chef brachte den Gedanken auf. Ich möchte lieber versuchen nicht darüber nachzudenken, sondern einmal mehr das Schöne genießen. So wie dieses Kaiserwetter.
    Aber es ist nicht einfach. Und ich traue ihm leider alles zu. Und mich wird definitiv niemand fragen, ob ich kämpfe und es wäre mir lieber, wenn ich diese Frage niemals zu beantworten bräuchte.

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    1. Ich hoffe, da ist noch genug Restverstand in Putins Kopf. Ab und zu muss ich wirklich abschalten – kein Radio kein Compi – und zwischendrin Gartenarbeit. Ich glaub, es gibt für mich fast nichts Beruhigenderes als das Wühlen in der Erde 🙂
      Würde ich kämpfen? Ich bin mir nicht sicher. Jetzt bin ich ohnehin zu alt. Vor vierzig Jahren möglicherweise schon …
      Liebe Grüße
      Sabine

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  4. Natürlich würde ich meine Art, zu leben, verteidigen… auch „mit dem Schwert“, wenn es sein müsste. Es gibt Momente, da ist Passivität an sich auch eine Aktion. Wenn meine Passivität beispielsweise den Aggressor unterstützt.
    Nachrichten ausschalten, das kann ich nicht. Das würde mich noch mehr irre machen, nicht zu wissen, was vor sich geht. Vielleicht ist ja die halbe Erdkugel weg, wenn ich wieder einschalte?
    Ich glaube fest an die Ukraine. Es ist nicht nur alles schwarz. Alleine die Tatsache, dass sich beinahe die gesamte Welt auf die Seite des Schwächeren stellt und Russland so ziemlich alleine dasteht, ist bemerkenswert. Ich meine – wer schafft es denn bitte innerhalb von zwei Wochen, dass ihn sowohl der Papst als auch die Taliban verurteilen…??

    Es ist diese Art zu denken, die mir Kraft gibt. Ich stelle mir gerne vor, dass der Aggressor in sich zusammenbricht. Ich stelle mir gerne vor, dass er damit nicht durchkommt. Und am liebsten stelle ich mir eine junge, strahlende, neu aufgebaute Ukraine vor. Manchmal möchte man zerbrechen bei all diesen Gräueln. Aber nein, das dürfen wir nicht. Es ist unser Leben, das dürfen wir uns nicht wegnehmen lassen.

    Dein Beitrag zeigt, wie sehr dich das bewegt, was gerade in der Welt passiert. Es ist gut, seinen Kopf mal abzuschalten, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist. Inzwischen gibt es wieder Momente, schöne Momente, da vergesse ich diesen Schatten, der über uns hängt. Für eine Stunde, für zwei. Das sind kostbare Augenblicke, die Kraft geben.

    Liebe Grüße
    Kasia

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