Am 26. Juli ist der Wissenschaftler und Umweltschützer James Lovelock gestorben – an seinem 103. Geburtstag. Der Chemiker, Biophysiker und Mediziner starb an den Folgen eines schweren Sturzes. Gemeinsam mit der Mikrobiologin Lynn Margulis entwickelte er in den 70er Jahren die Gaia-Hypothese, nach der unsere Erde mit ihrer Biosphäre wie ein Lebewesen betrachtet werden könne.





Nach dieser Theorie bildet die Erde mit ihrer Oberfläche ein System, das sich selbst organisieren kann. Dieser Ansatz wird immer wieder diskutiert – und gerne von esoterischen Zirkeln aufgegriffen. James Lovelock selbst wehrte sich gegen Bestrebungen, die Erde zu einem empfindungsfähigen Wesen zu stilisieren.

Doch menschliche Aktivitäten hätten dieses komplexe Gesamtsystem nun aus der Bahn geworfen. Unermüdlich warnte er vor Wüstenbildung und landwirtschaftlicher Zerstörung, die der Klimawandel mit sich bringen würde. In einem Interview 2020 soll der Wissenschaftler gesagt haben: „Die Biosphäre und ich sind im letzten Ein-Prozent unseres Lebens“.


Den heutigen 28. Juli 2022 hat er nicht mehr erlebt – den Earth Overshot Day 2022. Er markiert das Datum, an dem die Menschheit alle biologischen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde im Laufe eines Jahres regeneriert (Berechnungen des Global Footprint Network).


Das Universum … unsere Erde … das ist in der Tat ein faszinierendes System, das sich im Laufe der Jahrmillionen entwickelt hat; wobei der Mensch erst seit kurzer Zeit Teil dieser irdischen Kreisläufe ist. Wenn er sich nicht bald ein wenig anstrengt und einschränkt, wird er nur als kleiner Schluckauf in die Erdgeschichte eingehen.

11 Gedanken zu “Gaia und der Earth Overshot Day

  1. So, wie sich die Dinge zur Zeit darstellen und seit einer Weile schon entwickelt haben, bin ich der festen Überzeugung, dass wir eine der letzten Generationen unserer Spezies hier auf Gaia sein werden… Erinnert mich an den Witz: Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: „Du siehst aber gar nicht gut aus, was fehlt dir denn?“ – „Ach, mich hat die Plage Mensch erwischt.“ – „Mach dir nichts draus, die ist bald wieder verschwunden.“…
    Liebe Grüße!

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    1. Ja – manchmal denke ich das auch. Und doch … glaubt etwas tief in mir drin, dass der Mensch lernfähig ist. Ich weigere mich einfach zu glauben, dass das das Ende der Geschichte darstellt.
      Möglicherweise sind es die Naturvölker, die widerstandsfähig genug sind. Sie können dann von Vorne anfangen …
      Liebe Grüße
      Sabine

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      1. Die Naturvölker sind die Einzigen, die mit der Welt leben und nicht gegen sie.
        Was du beschreibst, erinnert mich wieder so sehr an große Fantasy-Epen aus den 80ern, die solche Szenarien beschreiben.
        Ich weiß echt nicht, ob mein Optimismus mich weiter tragen wird.
        Liebe Grüße
        Anja

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        1. Viele Romanschreiber und Filmemacher waren von seiner These inspiriert. Ich finde sie sehr schön und auch irgendwie beängstigend. Denn die Natur braucht den Menschen nicht.
          Lass uns noch den Rest an Optimismus erhalten 🤗
          Liebe Grüße
          Sabine 🖖🏼

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  2. Das ist doch wenigstens einmal eine andere Verschwörungstheorie 😉 🙂 Die Esoteriker, die aus der Gaia-Hypothese und vielen Naturphänomenen liebliches Geschwurbel machen, sind nicht unschuldig an der schlimmen Lage, in der wir uns heute befinden …

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    1. Wohl wahr 😊
      Je komplexer ein System, umso größer ist die Versuchung mehr hinein zu interpretieren als vorhanden ist.
      Allerdings hat die Vorstellung, unsere Erde sei ein lebendiger Organismus und wir ein Teil von ihr, etwas Schönes … dem man mit einer gewissen Demut begegnen könnt 🤓

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      1. Das Problematische daran ist die Vorstellung, dass die Erde ein Bewusstsein habe soll…
        Dass Natur und Leben (inklusive uns) von unglaublicher Komplexität ist, lässt sich ja nicht bestreiten, aber das Bewusstsein. Was Rudolf Steiner so alles geschrieben hat, gehört zu den Grundlagen der Wissenschaftsfeindlichkeit in Österreich und Deutschland… Ach eines meiner Lieblingsthemen, zu denen ich aber auf dem Blog selten etwas schreibe. Hat schon seine Gründe 🙂

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        1. Ja – bei ‚Bewusstsein‘ ist bei mir auch eine Grenze (dieselbe, die auch James Lovelock zieht).
          ‚Lebendig‘ bedeutet nicht, dass etwas ein Bewusstsein haben muss – sondern etwas reagiert auf Grund bestimmter Gesetze und Gegebenheiten.
          Die Erde mit ihrer Bioshäre will sich in ein bestimmtes Gleichgewicht einpendeln – auch in diesem Fall auf Grund bestehender physikalischer und chemischer Gesetze.
          Dass sich alles in mathematischen Formeln ausdrücken lässt, macht es nicht weniger spannend und manchmal sogar zauberhaft:
          https://spinnradl.wordpress.com/2021/02/07/fotochallenge-mit-tieren-oder-von-der-weisheit-der-natur/

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  3. Ich glaube auch, dass die gute alte Mutter Erde uns irgendwann ins Weltall wuppen wird – hoffentlich tut sie das zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch die Chance auf Heilung hat.

    LG Babsi

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    1. Wäre ich die gute, alte Mutter Erde, hätte ich die Angelegenheit schon lange erledigt.
      Aber so bin ich nur eine mittelalte Frau, die sich für Natur und Wissenschaft interessiert.
      Die Erde selbst wird sich in ein neues Gleichgewicht bringen. Welche Lebewesen dann noch auf ihr existieren können, wird sich zeigen.
      Liebe Grüße
      Sabine

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