Juni 2022 – wieder zurĂŒck

Hier war’s still in den letzten zwei Wochen, denn wir waren ein wenig unterwegs. Mit dem kleinen Puck



FĂŒr zehn Tage ankerten wir auf einem direkt hinter dem Deich liegenden, niederlĂ€ndischen Campingplatz, genossen die SandstrĂ€nde und freuten uns am spitzenmĂ€ĂŸigen Fahrrad-Wegenetz.

Dazu gehörte auch, dass das Highspeed-Volumen auf meinem Handy nicht fĂŒr die ganze Zeit reichte, und ich nur noch ab und zu und mit viel Wartezeit Nachrichten konsumieren konnte.
Ja – es ist wichtig sich zu informieren; aber die Nachrichten werden nicht besser, wenn ich sie zehnmal am Tag durchklicke.

So ganz will mir der Grund fĂŒr diesen Krieg (Ja, es ist ein Krieg und keine Spezialoperation) nicht verstĂ€ndlich werden. Immerhin bin ich mit dem Versprechen aufgewachsen, dass die Welt eine friedlichere wird, wenn sie möglichst viel Handel treibt und alle miteinander vernetzt sind. NatĂŒrlich ist das menschliche Miteinander alles andere als perfekt – aber fĂŒr eine gewisse Zeit sah es doch so aus, als wĂ€r man auf einem nicht ĂŒblen Pfad.

Es gibt ein Video von der Deutschen Welle von 2019, wo die vielen positiven Entwicklungen gezeigt werden:
Und die Welt wird doch besser!

Und jetzt? Jetzt möchte ein kleiner Mann, der ein bereits großes Reich beherrscht, sein Reich noch etwas grĂ¶ĂŸer machen, seinen Einfluss erweitern. Und was er gar nicht vertragen kann: Wenn die Macht in mehr als nur seinen zwei HĂ€nden liegt. Das Problem dabei ist, dass er damit nicht alleine ist. Gewaltenteilung schmeckt nicht jedem Pseudo-Demokraten.
Ich wĂŒrde die Menschen, die diesen Film kreiert haben gerne mal fragen, wie sie die jetzige Situation sehen 


Mit diesen Gedanken fuhr ich also in den Urlaub …



So richtig genießen konnte ich die Schönheit der Natur erstmal nicht … die Vorstellung, dass es so viele Menschen in den IndustrielĂ€ndern gibt, die tatsĂ€chlich nach einem starken Mann rufen und die „Spezialoperation“ richtig finden erschĂŒttert mich schon fast.

NatĂŒrlich ist eine Demokratie, die auf Gewaltenteilung beruht trĂ€ger und komplizierter … aber die Geschichte hat gezeigt, dass es noch nie gut war, wenn Machtbereiche sich nicht gegenseitig kontrollieren.
Ich denke, ich werde noch öfter – aber dosiert – darĂŒber nachdenken mĂŒssen.

Aber diese zehn Tage brachten dann doch etwas Entspannung …





Der Blick klarte auf – wir werden sehen, was kommt. Die Menschen haben im Laufe ihrer Entwicklung immer wieder Krisen durchgemacht, und aus jeder Krise ist etwas Neues entstanden. In diesem Sinne:

Furchtbar fruchtbar

Es regnet und in meinem Garten wĂ€chst und sprießt das GrĂŒnzeug … bald brauche ich eine Machete, um mich durchzuschlagen.
Aber nicht nur die Pflanzen gedeihen … nein – auch so manche Tierchen sind fleißig:



Erwischt!


Und wĂ€hrend ich den beiden bei ihrem Tun zuschaue (eigentlich passiert ja nicht viel, die Betrachtung hat eher etwas Meditatives), ĂŒberlege ich mir — da war doch was — RegenwĂŒrmer sind nĂŒtzliche ErdwĂŒhler, sie lockern den Boden und transportieren NĂ€hrstoffe, und doch sind sie nicht ĂŒberall beliebt …

An meinem Computer finde ich den Artikel ĂŒber die Invasion wieder: In den nordamerikanischen WĂ€ldern – vor allem Kanada – gab es keine RegenwĂŒrmer, bis die ersten europĂ€ischen Siedler ankamen.
Die vor ca 20.000 Jahren zu Ende gehende Wisconsin-Eiszeit hatte die WĂŒrmer abgetötet und es entstand eine Streuschicht aus Pflanzenmaterial, die von Pilzen und Mikroorganismen zersetzt wurde. Von ihr leben zahlreiche Amphibien, Insekten und Vögel; Keimlingen bietet die Schicht Schutz, damit sie die ersten Jahre gut ĂŒberstehen.

Das funktionierte so lange, bis der Mensch ĂŒber Wurzelballen importierter Pflanzen WĂŒrmer einschleppte. Zu allem Übel verteilte er sie auch noch in die unberĂŒhrte Natur, indem er ĂŒbriggebliebene KöderwĂŒrmer einfach zurĂŒckließ.
Sie haben keine Feinde, also können sie sich prima vermehren. Nun tummeln sich in manchen Gegenden mehr als doppelt so viele Tiere pro Quadratmeter wie in deutscher Walderde.

Was fĂŒr die RegenwĂŒrmer das Schlaraffenland bedeutet, ist fĂŒr Teile des nordamerikanischen Ökosystems eine Katastrophe. In manchen Gebieten reduzierte sich die Biomasse aus Spinnen, Insekten etc. um fast 30%, die Bodenvegetation verschwand und damit werden auch Blumen, Vögel und Kleinsttiere seltener.

Die Regenwurm-Invasion wird man nicht aufhalten können, und sie geschieht fĂŒr die einheimische Fauna und Flora zu schnell, als dass sie sich darauf einstellen könnte.
So bleibt fĂŒr die Wissenschaftler nur, das Geschehen zu beobachten, um daraus zu lernen …

… Lernen von der Erbarmungslosigkeit und Weisheit der Natur


Der Kuss

Ganz klein zwischen Giganten

Wir waren fĂŒr ein paar Tage unterwegs, um Verwandte zu besuchen. Und weil ich gerne das Angenehme mit dem Noch-Angenehmeren verbinde, fuhren wir mit den Radln … öhm, rĂ€usper … den Motorradln.




Satteltaschen
Hecktasche
Tankrucksack
(fĂŒr Kram
der griffbereit sein soll)



Das Wetter war ziemlich perfekt, und weil die Route ĂŒber 400 km betrĂ€gt, nudelten wir ein paar Abschnitte auf der Autobahn.
Eigentlich mag ich das nicht so sehr – man bewegt sich kaum, die Beinchen möchten schnell einschlafen und ĂŒber allem schwebt: Hoffentlich zieht das jetzt nicht auf meine Spur 

Aber – die ganze Fahrt verlief wunderbar – die Autobahnmitbenutzer waren dezent unterwegs.
Eine Tour war unter der Woche – da kann man sich schon mal ziemlich klein fĂŒhlen: LKWs noch und nöcher auf der Bahn.
Die andere Tour war am Wochenende – da fĂŒhlt man sich auch manchmal ziemlich klein: LKWs noch und nöcher auf den Autobahn-ParkplĂ€tzen.





Und da standen wir dann, mitten drin, machten uns noch kleiner und mĂŒmmelten unsere mitgefĂŒhrten Brote – wĂ€hrend sich zwei PlĂ€tze weiter ein paar Trucker zusammengefunden hatten und im Windschatten eines der Giganten speisten und plauderten.
Neugierige Blicke – freundliches Grinsen und GrĂŒĂŸen.
Im FĂŒhrerhaus hinter uns werden VorhĂ€nge zugezogen – Zeit fĂŒr ein SchlĂ€fchen.

Kein einfaches Leben – so als LKW-Fahrende. Dicht gepackte ZeitplĂ€ne, Familie womöglich wochenlang nicht gesehen, reich wird man damit auch nicht – und doch – sie sind wichtig – wirklich wirklich wichtig.


Deshalb – hier ein spezieller Gruß. Ohne die rollenden Giganten wĂŒrden wir beim Einkaufen, Heimwerken oder Sonstigem ziemlich blöd aus der WĂ€sche schauen.



Wurzelsucher fĂŒr den Urlaubsreader

Urlaub ist ja Lesezeit, und viele Leute packen sich gerne was auf ihren Reader – jede Menge Auswahl auf kleinem Platz.


Und weil die Werke unbekannter Selfpublisher sich nicht einfach so verbreiten wie die Schirmchen vom Löwenzahn …


… veranstalte ich hier eine Urlaubsaktion.


FĂŒr die nĂ€chsten zwei Wochen (20. Mai bis 03. Juni) ist mein Buchdie Wurzelsucher*hier* mehr zum Inhalt auf allen gĂ€ngigen Plattformen fĂŒr 0,0 € runterladbar.


Ich hab die wichtigsten Plattformen durchgeschaut … es hat bis jetzt bei fast allen funktioniert – nur amazon ist etwas spĂ€t; aber vielleicht wird das ja noch.

Allein unterwegs im Mai 2.0 … Waldwechsel

Mein letzter Beitrag kam ja direktemang aus dem Wald – zwischen zwei Funklöchern. Das Eifelgold stand in voller BlĂŒte und verbreitete wunderbaren Duft. Der kann allerdings etwas betĂ€ubend wirken, wenn man mitten drin steht und die Sonne alles schön aufwĂ€rmt.

In den WĂ€ldern fallen zur Zeit große, braune Flecken zwischen jungem LaubwaldgrĂŒn auf – dort wo alte Fichten dahindörren. Das sieht ziemlich traurig aus, aber in Wirklichkeit ist es ein naturnaher Vorgang, den die Holzindustrie natĂŒrlich bedauert; denn Fichten wachsen schnell und gerade in die Höhe und lassen sich prima maschinell ernten und bearbeiten. FĂŒr SĂ€gewerke bedeutet die Umstellung auf anderes Holz ein dickes Brett, das sie noch zu bohren haben 😉
Hier ein interessanter Artikel der Deutschen Welle.

Fichten wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus der Not heraus gepflanzt; denn zu Kriegszeiten wurde jede Menge davon gebraucht – es musste also fĂŒr schnellen Nachschub gesorgt werden. Der Bestand an Eichen, Buchen & Co war schon vorher ziemlich dezimiert – sie waren zu Holzkohle verarbeitet worden.
Also pflanzte man große Monokulturen an Fichten, ein Baum dicht neben den anderen; schon nach 80 Jahren können sie geerntet werden.
Seinerzeit wurde jedoch nicht darĂŒber nachgedacht, dass diese Baumart in vielen Zonen Deutschlands ungeeignet ist. Sie bildet keine tiefen Wurzeln – es sollte also nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Sie bevozugt Regionen mit richtigen Wintern, mit von Schnee nass gehaltenem Boden und KĂ€lte, die SchĂ€dlinge abtötet.
Anbauart und der Klimawandel haben ihnen nun den Rest gegeben. StĂŒrme und Starkwetterereignisse lassen sie knicken wie MikadostĂ€bchen oder es hebelt sich das ganze Wurzelwerk mit heraus.

Förster und Waldwirtschaft wissen das schon seit geraumer Zeit und versuchen, sich auf zukĂŒnftige KlimaĂ€nderungen vorzubereiten. Man ist auf der Suche nach den passenden Baumarten, am Besten mehrere unterschiedliche; denn selbst die heimische Buche bekommt Stress, wenn die Trockenzeiten zu intensiv sind.

In der Eifel kann man die BemĂŒhungen immer wieder sehen. Es werden abschnittsweise NadelbĂ€ume entfernt und durch LaubbĂ€ume ersetzt:



Hier wurden Fichten von einem Sturm umgefegt


Links noch der alte Fichtenbestand – wĂ€hrend sich von rechts Laubwald ausbreitet. Es wird wenige Jahre dauern, dann werden nur noch ein paar StĂŒmpfe im jungen Mischwald daran erinnern, dass sich hier eine Monokultur befand.



Junge Buchen, Birken und Eichen mit Ginster in voller BlĂŒte


Irgendwo darunter befindet sich der Wanderweg …


Und so sieht das dann aus, wenn ich mich ‚allein unterwegs‘ dort herumtreibe, wo sonst kein Mensch wandert.
Alles gut gegangen – nur noch ein paar Harzflecken an meiner Hose erinnern an die Kletterei.