Noch mehr Kopfweiden

Im letzten Beitrag erzählte ich, dass wir ein wenig Auszeit an der niederländischen Küste verbracht hatten. Und was macht man im Fahrradfahrer-Paradies?

Man schaut sich
die Umgebung
vom Drahtesel aus an.


Wobei wir ziemlich oldschool unterwegs waren – einfach nur mit Muskelkraft. Allerdings gab es den ein oder anderen Moment … wenn wir gegen den Wind anradelten und ich das Gefühl hatte, irgendein niederländischer Kobold hänge an meinem Gepäckträger und mache den Bremser … in solchen schweißtreibenden Momenten kam mir dann doch in den Sinn, so ein kleines Elektro-Motörle wär doch nicht schlecht. Am Ziel angekommen bin ich jedoch stolz auf mich – HA! – hab’s ohne geschafft.

Von wegen Kobold – jetzt kommt der eigentliche Grund für den Beitrag – ich wüsste auch, wo die sich wohlfühlen könnten:





Furchtbar fruchtbar

Es regnet und in meinem Garten wächst und sprießt das Grünzeug … bald brauche ich eine Machete, um mich durchzuschlagen.
Aber nicht nur die Pflanzen gedeihen … nein – auch so manche Tierchen sind fleißig:



Erwischt!


Und während ich den beiden bei ihrem Tun zuschaue (eigentlich passiert ja nicht viel, die Betrachtung hat eher etwas Meditatives), überlege ich mir — da war doch was — Regenwürmer sind nützliche Erdwühler, sie lockern den Boden und transportieren Nährstoffe, und doch sind sie nicht überall beliebt …

An meinem Computer finde ich den Artikel über die Invasion wieder: In den nordamerikanischen Wäldern – vor allem Kanada – gab es keine Regenwürmer, bis die ersten europäischen Siedler ankamen.
Die vor ca 20.000 Jahren zu Ende gehende Wisconsin-Eiszeit hatte die Würmer abgetötet und es entstand eine Streuschicht aus Pflanzenmaterial, die von Pilzen und Mikroorganismen zersetzt wurde. Von ihr leben zahlreiche Amphibien, Insekten und Vögel; Keimlingen bietet die Schicht Schutz, damit sie die ersten Jahre gut überstehen.

Das funktionierte so lange, bis der Mensch über Wurzelballen importierter Pflanzen Würmer einschleppte. Zu allem Übel verteilte er sie auch noch in die unberührte Natur, indem er übriggebliebene Köderwürmer einfach zurückließ.
Sie haben keine Feinde, also können sie sich prima vermehren. Nun tummeln sich in manchen Gegenden mehr als doppelt so viele Tiere pro Quadratmeter wie in deutscher Walderde.

Was für die Regenwürmer das Schlaraffenland bedeutet, ist für Teile des nordamerikanischen Ökosystems eine Katastrophe. In manchen Gebieten reduzierte sich die Biomasse aus Spinnen, Insekten etc. um fast 30%, die Bodenvegetation verschwand und damit werden auch Blumen, Vögel und Kleinsttiere seltener.

Die Regenwurm-Invasion wird man nicht aufhalten können, und sie geschieht für die einheimische Fauna und Flora zu schnell, als dass sie sich darauf einstellen könnte.
So bleibt für die Wissenschaftler nur, das Geschehen zu beobachten, um daraus zu lernen …

… Lernen von der Erbarmungslosigkeit und Weisheit der Natur


Der Kuss

Allein unterwegs im Mai 2.0 … Waldwechsel

Mein letzter Beitrag kam ja direktemang aus dem Wald – zwischen zwei Funklöchern. Das Eifelgold stand in voller Blüte und verbreitete wunderbaren Duft. Der kann allerdings etwas betäubend wirken, wenn man mitten drin steht und die Sonne alles schön aufwärmt.

In den Wäldern fallen zur Zeit große, braune Flecken zwischen jungem Laubwaldgrün auf – dort wo alte Fichten dahindörren. Das sieht ziemlich traurig aus, aber in Wirklichkeit ist es ein naturnaher Vorgang, den die Holzindustrie natürlich bedauert; denn Fichten wachsen schnell und gerade in die Höhe und lassen sich prima maschinell ernten und bearbeiten. Für Sägewerke bedeutet die Umstellung auf anderes Holz ein dickes Brett, das sie noch zu bohren haben 😉
Hier ein interessanter Artikel der Deutschen Welle.

Fichten wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus der Not heraus gepflanzt; denn zu Kriegszeiten wurde jede Menge davon gebraucht – es musste also für schnellen Nachschub gesorgt werden. Der Bestand an Eichen, Buchen & Co war schon vorher ziemlich dezimiert – sie waren zu Holzkohle verarbeitet worden.
Also pflanzte man große Monokulturen an Fichten, ein Baum dicht neben den anderen; schon nach 80 Jahren können sie geerntet werden.
Seinerzeit wurde jedoch nicht darüber nachgedacht, dass diese Baumart in vielen Zonen Deutschlands ungeeignet ist. Sie bildet keine tiefen Wurzeln – es sollte also nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Sie bevozugt Regionen mit richtigen Wintern, mit von Schnee nass gehaltenem Boden und Kälte, die Schädlinge abtötet.
Anbauart und der Klimawandel haben ihnen nun den Rest gegeben. Stürme und Starkwetterereignisse lassen sie knicken wie Mikadostäbchen oder es hebelt sich das ganze Wurzelwerk mit heraus.

Förster und Waldwirtschaft wissen das schon seit geraumer Zeit und versuchen, sich auf zukünftige Klimaänderungen vorzubereiten. Man ist auf der Suche nach den passenden Baumarten, am Besten mehrere unterschiedliche; denn selbst die heimische Buche bekommt Stress, wenn die Trockenzeiten zu intensiv sind.

In der Eifel kann man die Bemühungen immer wieder sehen. Es werden abschnittsweise Nadelbäume entfernt und durch Laubbäume ersetzt:



Hier wurden Fichten von einem Sturm umgefegt


Links noch der alte Fichtenbestand – während sich von rechts Laubwald ausbreitet. Es wird wenige Jahre dauern, dann werden nur noch ein paar Stümpfe im jungen Mischwald daran erinnern, dass sich hier eine Monokultur befand.



Junge Buchen, Birken und Eichen mit Ginster in voller Blüte


Irgendwo darunter befindet sich der Wanderweg …


Und so sieht das dann aus, wenn ich mich ‚allein unterwegs‘ dort herumtreibe, wo sonst kein Mensch wandert.
Alles gut gegangen – nur noch ein paar Harzflecken an meiner Hose erinnern an die Kletterei.

„Familie Barbapapa“ ist umgezogen

Kennt noch jemand die Familie Barbapapa? Das ist mir spontan eingefallen, als ich meine Wassertonnen-Ausbeute an Topinambur nach dem Abschrubben auf dem Holzbrett drapierte:



Kinderbücher und Zeichentrickfilme erzählten die Geschichten von Knetgummi-Wesen, die sich in alles Mögliche verwandeln können. Sie sehen in ihrer urspünglichen Form aus wie Birnen – jede hat ihre eigene Bonbon-Farbe und sie haben lustige Namen wie Barbamama, Barbapapa, Barbabella, Barbarix, Barbabo ….

Diese Namen leiten sich übrigens vom französichen Wort für ‚Zuckerwatte‘ ab:
barbe á papa

Meine ausgegrabene Familie ist jedenfalls voll öko braun geschuppt – und lecker. Ich hab ordentlich tief gewühlt, denn aus jedem übrig gebliebenen Wurzelrest gibts neue Knöllchen, die dann die Herrschaft über die Wassertonne übernehmen.


Jetzt hat der Bottich neue Bewohner: Mangold und Palmkohl. Ich kann ganz nach Bedarf unten die Blätter abschneiden – oben wachsen immer neue nach.

Ende März 2022




Tadaaa!
Es wächst …


Mal überlegen … was könnte ich damit anstellen … Mangoldrisotto … Makkaroni mit Mangold, Palmkohlstreifen und veganes Hack …


Angeblich stellte man früher aus der Sprossachse des Palmkohls Spazierstöcke her … ich werde berichten.

Royusch Fotoprojekt – Wandern im April

Ist gerade etwas still hier … mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. Also habe ich mich ein paar Dingen gewidmet, die ohnehin sehr zeitintensiv waren: Gartenarbeit und Renovierungsarbeiten. Aber jetzt geht es weiter …
Und weil es so schön passt, steige ich hier mit Rolands immer wieder spannenden Fotoprojekt ein:
https://royusch-unterwegs.com/2022/04/01/fotoprojekt-2022-april-wanderungen-und-fahrradtouren/

Ich war wieder mal am Ruhrsee (Dort ist mir übrigens die Geschichte mit den fiesen, kleinen Bissen im Kopf passiert):

Los geht’s am südlichen Ende des Ruhrsees den Berg hinauf


Man kann der Region noch immer die Auswirkungen der Starkregen-Katastrophe ansehen; die Wege sind zum Teil zu tiefen Rinnen ausgewaschen und um die Bäche liegen noch umgekippte Bäume herum, die im aufgeweichten Boden keinen Halt mehr gefunden hatten. Aber so allmählich wächst jede Menge Gras über die Sache und ich freue mich über Kräfte der Natur und über meine eigenen …
Und ich muss daran denken, dass der Mensch eigentlich der perfekte Wald- und Savannenläufer ist … sogar besser als ein Pferd sein kann:
https://www.dw.com/de/mensch-schl%C3%A4gt-pferd-bei-wettrennen/a-437185
Das ist doch ausgesprochen faszinierend.


Ich bin zwar kein gläubiger Kirchgänger, doch die kleinen Kapellen berühren meine spirituelle Ader:


Kurz nach dem ersten Drittel des Weges quere ich einen Bach, der sich wohl ein neues Bettchen gesucht hat … das macht aber nichts, er ist nicht tief, und ich muss nicht Schuhe und Strümpfe ausziehen, um hindurch zu waten:


Oben angekommen habe ich wieder einen schönen Blick auf den Kindergarten des Waldes. Ich freue mich jedes Jahr, wenn sich das ‚Kleine Grün‘ der Sonne entgegen streckt:


Obwohl eine der beliebtesten Motorradstrecken nicht weit entfernt ist, hört man nichts davon. Ich bin allein – lausche dem Tappen meiner Schritte und dem Zwitschern der Vögel. Über mir ziehen zwei Raubvögel ihre Kreise … noch sind die großen Bäume unbelaubt und ich kann sie gut sehen.
Doch nicht nur oben gibt es Schönes zu betrachten – auch das Kleine am Boden ist interessant und ich frage mich, wie es da unten mitten auf dem Weg bestehen kann:



In diesem Sinne – lasst uns die Schönheiten um uns herum trotz allem nicht vergessen.