Die Angst vor dem Schluss

Kennt ihr das? Ihr lest ein Buch … es zieht euch rein … und irgendwann macht es „plöörrrffff“ und es fühlt sich an wie ein Ballon, aus dem die Luft gewichen ist oder ein herrlich aufgegangenes Hefegebäck, das im Backofen in sich zusammenfällt. 
So schmeckt es dann auch – plötschig quartschig – der Schluss eines Buches, das nicht hält, was es versprochen hat. Das ist um Klassen schlimmer als eine Lektüre, bei der man ein paar Seiten braucht, bis sie zündet; oder ein paar öde Stellen im weiteren Verlauf, bei denen ich mir denke – och, ein wenig kürzen und es wäre perfekt. Aber was ist schon perfekt … 
Alles nicht schlimm – doch ein Buch, das zum Ende hin abkackt, weil dem Schreibenden nichts mehr eingefallen ist/ der Verlag noch unbedingt ein paar Seiten mehr haben wollte/ die Deadline überschritten war …. 
In so einem Fall fühle ich mich um meine Lesezeit betrogen.


Und an dieser Stelle befinde ich mich gerade – ich sitze an der Erstfassung meines Manuskripts und das Ende naht, fehlen nur noch ein paar Szenen …


Befeuert – oder – ein ‚gutes‘ Ende schmieden.

Doch anstatt einfach das Ende der Rohfassung zu schreiben, schleicht sich meine alte Deutschlehrerin von hinten an den Stuhl und flüstert mir ins Ohr: 
So kannst du das aber nicht schreiben … so wird das nichts …


So funktioniert das wirklich nicht! Das ist keine Deutscharbeit, die korrigiert wird, sobald sie fertig ist. Nein – das ist eine Rohfassung, die ich bearbeiten kann. Ich kann sie striegeln wie ein struppiges Islandpony und dann erst ist der Roman fertig.
Ich kann an der Geschichte arbeiten, das Eisen im Feuer meiner Phantasie erhitzen und an den Szenen schmieden, bis sie ihre eigenen Wurzeln hat und sich im Gleichgewicht befindet … ooooha – jetzt geht die Phantasie wirklich mit mir durch ….


Danke dass ihr mich lest – jetzt ist mir wieder wohler und ich kann ein Ende finden. 
DAS Ende kommt dann noch.


Liebe Grüße
Sabine vom Spinnradl

Mittwochsfoto – oder, Konzentration bitte

So ihr lieben Leut, die Rohfassung meines Manuskripts befindet sich in der Endfassung – und bevor ich meine eigene Fassung verliere, weil mir die Fäden meiner Handlungsstränge entgleiten, muss ich hier ein paar Tage Wochen pausieren … 


Collage aus meinem „Schlaflos“-Ölgemälde und dem Arbeitstisch

Mit all den interessanten Sachen, die ihr so schreibt, zerfasert meine Konzentration – und mir bleibt nur die Notbremse. Ich möchte nämlich nicht, dass die Pause aus lauter Frust wieder vier Jahre dauert. 
Also – I’ll be back – wie ein großer Philosoph zu sagen pflegte. Und falls jemand was in die Kommentare schreibt, bekomm ich eine Mail für’s Antworten (das fänd ich sonst nicht nett von mir).


eure
Sabine

Leseprobenkuddelmuddel

Auf meiner Seite Romane aus dem Spinnradl stelle ich ja meine Erstveröffentlichung vor … alles fein beschrieben … unten gibt’s eine Leseprobe und die soll schön großzügig sein, schließlich habe ich bis jetzt noch nichts Längeres veröffentlicht, man kennt meine Schreibe nicht.
Mir war die erste Leseprobe mit 10 Seiten zu kurz – also bat ich, man möge sie doch auf 30 erhöhen – gesagt getan – Zufriedenheit im Spinnradl.

Vor ein paar Tagen stelle ich fest  😱 da stimmt was nicht!
Das heißt, jeder, der mal neugierig so bissle reinliest, weil die Kaffeepause noch nicht vorbei ist, stellt fest – zwischen Seite 10 und 11 gibt es einen fies falschen Fehler, da stimmt was nicht …

Des Rätsels Lösung: Ein Softwarefehler, der einfach an eine ältere Version die neue angepappt hat – und das genau zu der Zeit, als ich die Romane-Seite meines Blogs freigab.
Es wurde von Hand korrigiert – jetzt stimmt das wieder.

Also falls jemand bei Seite 10 gedacht hat – och Spinnradl-Schätzelein, das üben wir noch ein wenig, das mit dem Bücherschreiben   🤓  Vielleicht mag er ja nochmal reinlesen.

Danke
eure
Sabine aus dem 🕷 🕸

Freitags am Schreibtisch – oder die Putte

„Das ist jetzt nicht dein Ernst?!“ 
„Doch …“ 
„Echt jetzt? Das Ding willst du bei dir aufhängen?“ 
„Ja – genau – und ich weiß auch schon wo …“  
„Ich denke, ein richtiger Schriftsteller braucht einen ablenkungsfreien Schreibtisch.“  
Ja – das hätte mich beeindrucken müssen – von wegen ‚richtiger Schriftsteller‘.  Hat es aber eigentlich fast nicht.

Also zog dieses hübsche Stück Kitsch in meinem Arbeitszimmer ein.

Es war vor ein paar Monaten, als eine Freundin den Haushalt ihrer verstorbenen Mutter auflösen musste und sie fragte mich, ob ich auch an irgendetwas Interesse hätte. Nur so aus Neugier wollte ich wissen, was es denn so gäbe …
Unter anderen praktischen, mich eher weniger interessierenden Dingen gab es diese beeindruckende Putte. Sie ist aus Holz, ca 60cm hoch und gefühlt dreißig Kilo schwer.
Ich weiß auch nicht – aber irgendwie fing mich dieser Engel ein. Für eine den Wissenschaften zugetane Agnostikerin ist das schon seltsam.
Ich glaube, er inspiriert mich. Mit sanften Augen schaut er auf mich herab, flötet lautlos und hat die ehrenvolle Aufgabe meine Kopfhörer zu tragen.
Ich musste ihn allerdings sehr stabil an meinem Gedankenzettel-Gestell befestigen – nicht dass er mir auf die Pfoten fällt.
Und manchmal, wenn mein Blick von Notiz zu Notiz wandert … bleibt er am Flötenburschi hängen und der scheint mir zu sagen: ach weißt, ist nicht schlimm, wenn du den Faden verloren hast – schreib einfach weiter – du wirst ihn wieder finden … 
Immerhin habe ich unter seinen Augen mein erstes Buch abgeschlossen – und während noch andere in meiner Schublade vor sich hin kompostieren, schreibe ich einfach das nächste fertig. 
Und überhaupt – Spinnradls Flötenburschi riecht wenigstens besser als Schillers gammelige Äpfel.