Noch mehr Kopfweiden

Im letzten Beitrag erzählte ich, dass wir ein wenig Auszeit an der niederländischen Küste verbracht hatten. Und was macht man im Fahrradfahrer-Paradies?

Man schaut sich
die Umgebung
vom Drahtesel aus an.


Wobei wir ziemlich oldschool unterwegs waren – einfach nur mit Muskelkraft. Allerdings gab es den ein oder anderen Moment … wenn wir gegen den Wind anradelten und ich das Gefühl hatte, irgendein niederländischer Kobold hänge an meinem Gepäckträger und mache den Bremser … in solchen schweißtreibenden Momenten kam mir dann doch in den Sinn, so ein kleines Elektro-Motörle wär doch nicht schlecht. Am Ziel angekommen bin ich jedoch stolz auf mich – HA! – hab’s ohne geschafft.

Von wegen Kobold – jetzt kommt der eigentliche Grund für den Beitrag – ich wüsste auch, wo die sich wohlfühlen könnten:





Ganz klein zwischen Giganten

Wir waren für ein paar Tage unterwegs, um Verwandte zu besuchen. Und weil ich gerne das Angenehme mit dem Noch-Angenehmeren verbinde, fuhren wir mit den Radln … öhm, räusper … den Motorradln.




Satteltaschen
Hecktasche
Tankrucksack
(für Kram
der griffbereit sein soll)



Das Wetter war ziemlich perfekt, und weil die Route über 400 km beträgt, nudelten wir ein paar Abschnitte auf der Autobahn.
Eigentlich mag ich das nicht so sehr – man bewegt sich kaum, die Beinchen möchten schnell einschlafen und über allem schwebt: Hoffentlich zieht das jetzt nicht auf meine Spur …
Aber – die ganze Fahrt verlief wunderbar – die Autobahnmitbenutzer waren dezent unterwegs.
Eine Tour war unter der Woche – da kann man sich schon mal ziemlich klein fühlen: LKWs noch und nöcher auf der Bahn.
Die andere Tour war am Wochenende – da fühlt man sich auch manchmal ziemlich klein: LKWs noch und nöcher auf den Autobahn-Parkplätzen.





Und da standen wir dann, mitten drin, machten uns noch kleiner und mümmelten unsere mitgeführten Brote – während sich zwei Plätze weiter ein paar Trucker zusammengefunden hatten und im Windschatten eines der Giganten speisten und plauderten.
Neugierige Blicke – freundliches Grinsen und Grüßen.
Im Führerhaus hinter uns werden Vorhänge zugezogen – Zeit für ein Schläfchen.

Kein einfaches Leben – so als LKW-Fahrende. Dicht gepackte Zeitpläne, Familie womöglich wochenlang nicht gesehen, reich wird man damit auch nicht – und doch – sie sind wichtig – wirklich wirklich wichtig.


Deshalb – hier ein spezieller Gruß. Ohne die rollenden Giganten würden wir beim Einkaufen, Heimwerken oder Sonstigem ziemlich blöd aus der Wäsche schauen.



Allein unterwegs im Mai 2.0 … Waldwechsel

Mein letzter Beitrag kam ja direktemang aus dem Wald – zwischen zwei Funklöchern. Das Eifelgold stand in voller Blüte und verbreitete wunderbaren Duft. Der kann allerdings etwas betäubend wirken, wenn man mitten drin steht und die Sonne alles schön aufwärmt.

In den Wäldern fallen zur Zeit große, braune Flecken zwischen jungem Laubwaldgrün auf – dort wo alte Fichten dahindörren. Das sieht ziemlich traurig aus, aber in Wirklichkeit ist es ein naturnaher Vorgang, den die Holzindustrie natürlich bedauert; denn Fichten wachsen schnell und gerade in die Höhe und lassen sich prima maschinell ernten und bearbeiten. Für Sägewerke bedeutet die Umstellung auf anderes Holz ein dickes Brett, das sie noch zu bohren haben 😉
Hier ein interessanter Artikel der Deutschen Welle.

Fichten wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus der Not heraus gepflanzt; denn zu Kriegszeiten wurde jede Menge davon gebraucht – es musste also für schnellen Nachschub gesorgt werden. Der Bestand an Eichen, Buchen & Co war schon vorher ziemlich dezimiert – sie waren zu Holzkohle verarbeitet worden.
Also pflanzte man große Monokulturen an Fichten, ein Baum dicht neben den anderen; schon nach 80 Jahren können sie geerntet werden.
Seinerzeit wurde jedoch nicht darüber nachgedacht, dass diese Baumart in vielen Zonen Deutschlands ungeeignet ist. Sie bildet keine tiefen Wurzeln – es sollte also nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Sie bevozugt Regionen mit richtigen Wintern, mit von Schnee nass gehaltenem Boden und Kälte, die Schädlinge abtötet.
Anbauart und der Klimawandel haben ihnen nun den Rest gegeben. Stürme und Starkwetterereignisse lassen sie knicken wie Mikadostäbchen oder es hebelt sich das ganze Wurzelwerk mit heraus.

Förster und Waldwirtschaft wissen das schon seit geraumer Zeit und versuchen, sich auf zukünftige Klimaänderungen vorzubereiten. Man ist auf der Suche nach den passenden Baumarten, am Besten mehrere unterschiedliche; denn selbst die heimische Buche bekommt Stress, wenn die Trockenzeiten zu intensiv sind.

In der Eifel kann man die Bemühungen immer wieder sehen. Es werden abschnittsweise Nadelbäume entfernt und durch Laubbäume ersetzt:



Hier wurden Fichten von einem Sturm umgefegt


Links noch der alte Fichtenbestand – während sich von rechts Laubwald ausbreitet. Es wird wenige Jahre dauern, dann werden nur noch ein paar Stümpfe im jungen Mischwald daran erinnern, dass sich hier eine Monokultur befand.



Junge Buchen, Birken und Eichen mit Ginster in voller Blüte


Irgendwo darunter befindet sich der Wanderweg …


Und so sieht das dann aus, wenn ich mich ‚allein unterwegs‘ dort herumtreibe, wo sonst kein Mensch wandert.
Alles gut gegangen – nur noch ein paar Harzflecken an meiner Hose erinnern an die Kletterei.

Royusch Fotoprojekt – Wandern im April

Ist gerade etwas still hier … mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. Also habe ich mich ein paar Dingen gewidmet, die ohnehin sehr zeitintensiv waren: Gartenarbeit und Renovierungsarbeiten. Aber jetzt geht es weiter …
Und weil es so schön passt, steige ich hier mit Rolands immer wieder spannenden Fotoprojekt ein:
https://royusch-unterwegs.com/2022/04/01/fotoprojekt-2022-april-wanderungen-und-fahrradtouren/

Ich war wieder mal am Ruhrsee (Dort ist mir übrigens die Geschichte mit den fiesen, kleinen Bissen im Kopf passiert):

Los geht’s am südlichen Ende des Ruhrsees den Berg hinauf


Man kann der Region noch immer die Auswirkungen der Starkregen-Katastrophe ansehen; die Wege sind zum Teil zu tiefen Rinnen ausgewaschen und um die Bäche liegen noch umgekippte Bäume herum, die im aufgeweichten Boden keinen Halt mehr gefunden hatten. Aber so allmählich wächst jede Menge Gras über die Sache und ich freue mich über Kräfte der Natur und über meine eigenen …
Und ich muss daran denken, dass der Mensch eigentlich der perfekte Wald- und Savannenläufer ist … sogar besser als ein Pferd sein kann:
https://www.dw.com/de/mensch-schl%C3%A4gt-pferd-bei-wettrennen/a-437185
Das ist doch ausgesprochen faszinierend.


Ich bin zwar kein gläubiger Kirchgänger, doch die kleinen Kapellen berühren meine spirituelle Ader:


Kurz nach dem ersten Drittel des Weges quere ich einen Bach, der sich wohl ein neues Bettchen gesucht hat … das macht aber nichts, er ist nicht tief, und ich muss nicht Schuhe und Strümpfe ausziehen, um hindurch zu waten:


Oben angekommen habe ich wieder einen schönen Blick auf den Kindergarten des Waldes. Ich freue mich jedes Jahr, wenn sich das ‚Kleine Grün‘ der Sonne entgegen streckt:


Obwohl eine der beliebtesten Motorradstrecken nicht weit entfernt ist, hört man nichts davon. Ich bin allein – lausche dem Tappen meiner Schritte und dem Zwitschern der Vögel. Über mir ziehen zwei Raubvögel ihre Kreise … noch sind die großen Bäume unbelaubt und ich kann sie gut sehen.
Doch nicht nur oben gibt es Schönes zu betrachten – auch das Kleine am Boden ist interessant und ich frage mich, wie es da unten mitten auf dem Weg bestehen kann:



In diesem Sinne – lasst uns die Schönheiten um uns herum trotz allem nicht vergessen.