Royusch Fotoprojekt – Wandern im April

Ist gerade etwas still hier … mir hat es ein wenig die Sprache verschlagen. Also habe ich mich ein paar Dingen gewidmet, die ohnehin sehr zeitintensiv waren: Gartenarbeit und Renovierungsarbeiten. Aber jetzt geht es weiter …
Und weil es so schön passt, steige ich hier mit Rolands immer wieder spannenden Fotoprojekt ein:
https://royusch-unterwegs.com/2022/04/01/fotoprojekt-2022-april-wanderungen-und-fahrradtouren/

Ich war wieder mal am Ruhrsee (Dort ist mir übrigens die Geschichte mit den fiesen, kleinen Bissen im Kopf passiert):

Los geht’s am südlichen Ende des Ruhrsees den Berg hinauf


Man kann der Region noch immer die Auswirkungen der Starkregen-Katastrophe ansehen; die Wege sind zum Teil zu tiefen Rinnen ausgewaschen und um die Bäche liegen noch umgekippte Bäume herum, die im aufgeweichten Boden keinen Halt mehr gefunden hatten. Aber so allmählich wächst jede Menge Gras über die Sache und ich freue mich über Kräfte der Natur und über meine eigenen …
Und ich muss daran denken, dass der Mensch eigentlich der perfekte Wald- und Savannenläufer ist … sogar besser als ein Pferd sein kann:
https://www.dw.com/de/mensch-schl%C3%A4gt-pferd-bei-wettrennen/a-437185
Das ist doch ausgesprochen faszinierend.


Ich bin zwar kein gläubiger Kirchgänger, doch die kleinen Kapellen berühren meine spirituelle Ader:


Kurz nach dem ersten Drittel des Weges quere ich einen Bach, der sich wohl ein neues Bettchen gesucht hat … das macht aber nichts, er ist nicht tief, und ich muss nicht Schuhe und Strümpfe ausziehen, um hindurch zu waten:


Oben angekommen habe ich wieder einen schönen Blick auf den Kindergarten des Waldes. Ich freue mich jedes Jahr, wenn sich das ‚Kleine Grün‘ der Sonne entgegen streckt:


Obwohl eine der beliebtesten Motorradstrecken nicht weit entfernt ist, hört man nichts davon. Ich bin allein – lausche dem Tappen meiner Schritte und dem Zwitschern der Vögel. Über mir ziehen zwei Raubvögel ihre Kreise … noch sind die großen Bäume unbelaubt und ich kann sie gut sehen.
Doch nicht nur oben gibt es Schönes zu betrachten – auch das Kleine am Boden ist interessant und ich frage mich, wie es da unten mitten auf dem Weg bestehen kann:



In diesem Sinne – lasst uns die Schönheiten um uns herum trotz allem nicht vergessen.

Kopfweiden – Fenster zur Vergangenheit

Annuschka stellte kürzlich das schöne Bild einer Kopfweide vor und erinnerte mich damit an die Fotos, die ich vor ein paar Tagen bei einem Abendspaziergang schoss.

Von den Veränderungen der Erftauen in der nicht ganz kleinen Stadt hab ich schon erzählt.


Die schlimmsten Überbleibsel des Hochwassers verschwinden allmählich

Doch was hat sich verändert, wenn man dem Flusslauf stadtauswärts in nördliche Richtung folgt?


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Und siehe da – jemand erbarmte sich dieser Kopfweiden!
Früher waren sie noch ein wichtiger Teil dieser Kulturlandschaft. Ihre Ruten wurden in der Korbflechterei, als Baumaterial für Häuserwände und vieles mehr genutzt. Jetzt werden sie kaum noch benötigt – außer für Lebendverbau (darüber werde ich in einem anderen Beitrag erzählen).
Das Problem ist – sie müssen regelmäßig geschnitten werden. Sind die Äste zu dick, bricht die Weide irgendwann auseinander.
Oftmals kümmern sich Tierschutzorganisationen um die Bäume; denn die hohlen Stämme bieten Unterschlupf für Eulen und Fledermäuse. Zudem gibt’s bei den Weidenkätzchen im Frühjahr die erste Nahrung für Bienen.


Das wäre doch eine prächtige Gnombehausung …


Das Geschäftsleben kehrt zurück

Wie schön! Mein Lieblingsbäcker hat wieder geöffnet!
Eigentlich wollte ich schreiben: „Das Leben kehrt in unsere nicht ganz kleine Stadt zurück“; aber das wäre nicht korrekt gewesen. Es war und ist nämlich sehr viel Leben in und um die Häuser. Handwerker aus allen möglichen europäischen Ländern setzen die Bauten wieder in Stand. Und noch immer kann ich verschiedenste Reparaturstadien bewundern – von Bautrockner bis Laden-geöffnet ist alles dabei.





Bei den meisten sind gerade die Innenausbauten an der Reihe. Wer jetzt hier im Kreis einen Elektriker oder Installateur oder Maurer o.ä. braucht, muss viel Geduld aufbringen.
Straßenbauer sind ebenso ausgebucht und so manches Straßenprojekt muss aufgeschoben werden, weil die stark vom Hochwasser betroffenen Gegenden Vorrang haben.
Ich denke, die Schildermacher haben auch gut zu tun. Viele Landstraßen sind an den Banketten von Flüssen angenagt worden – also gibt’s ein Gefahrenschild, Geschwindigkeitsbegrenzung davor … das muss für eine Weile reichen.





Immerhin scheint gerade die Sonne … die Farben leuchten … das ist gut für’s Gemüt …



… und der Rest wird auch noch … bis dahin muss so mancher tiefergelegte Sportwagen in der Garage bleiben.
Wenn ich mir vorstelle – ein halbes Jahr ist es her, dass in dieser Straße nur die Dächer der Autos zu sehen waren …

Der weite Blick – auf Baum und Strauch

Es gibt so viele verschiedene Arten durch die Welt zu gehen. Ich kann vor mich hin flanieren, in Gedanken versunken über die Ungerechtigkeiten in der Welt, meinen nächsten Einkaufszettel, den Schluss meines Romans oder den Blick schweifen lassen – auf der Suche nach dem Schönen, Hässlichen, Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen:


Der letzte Apfel vor blauem Himmel … wie er leuchtet … mir kommt es fast vor, als werfe er sich mächtig in die Brust: schau mal, wie schön ich bin …



Und was will uns dieser Handschuh sagen?
Öffne dein Herz, oh Wanderin, sei demütig angesichts der dich umgebenden Natur … und schau dir die hübsche Gelbflechte an



Wanderin es ist kalt – aber wenn du jetzt nicht Mütze und Handschuhe ausziehst, bist du oben angekommen fürchterlich eingeschwitzt, und der Bad-Hair-Part deines Tages beginnt.



Ja – er ist schwarz, glänzt wie Satin und war wohl sehr unbequem … warum sonst sollte frau ihn so weit hinauf schleudern, wenn nicht aus einem Gefühl der Erleichterung.



Ich kann natürlich auch während des Gehens auf’s Smartphone schauen – aber ich denke, da würde ich noch viel mehr verpassen als die kleinen, fotografischen Fundstücke: Pfosten … Hundehaufen … mir entgegen kommende Freunde und Feinde … Pfützen …

Die Engel backen Plätzchen – und eine Aue entsteht

Ja – ich weiß – die schöne Farbe am Himmel ist nur Dreck in der Atmosphäre … aber ihr müsst doch zugeben: Es ist hübscher Dreck.



Das will ich nun zum Anlass nehmen hier zu zeigen, was im Park unserer kleinen Stadt so passiert ist, nachdem sich die Wassermassen durch sie hindurch wälzten.


Januar 2021 – Die ersten Bäume für die Erft-Renaturierung sind gefällt

So geradlinig sah die Erft noch im Januar 2021 aus. Für Stadtentwicklung und Landwirtschaft ist diese Gewässerführung nun mal praktischer. Hinzu kommt, dass durch die Rheinischen Braunkohlereviere der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde und die Gewässer keinen Anschluss an das Grundwasser haben. Es konnte also vorkommen, dass hier in so manchem Sommer nur ein Bächlein durch die Regen-Rinne plätscherte.
Zu allem Übel fanden auf diesen Wiesen immer wieder Flohmärkte und andere Veranstaltungen statt, bei denen die Fahrzeuge den Boden ordentlich verdichteten.

Aber der Mensch ist ja lernfähig … im Prinzip … und man gibt sich Mühe, das Problem anzugehen. Es wurden auf den ersten Blick ambitioniert wirkende Klimawandelkonzepte erarbeitet; wobei die hiesige Region einen zusätzlichen Faktor hat, der berücksichtigt werden will: Der Braunkohle-Tagebau wird weiterwandern und irgendwann eingestellt. Das heißt, der Grundwasserspiegel wird ansteigen.

Also wurde ein Plan ausgearbeitet, um die Erft zu renaturieren. Im Januar 2021 fällte man dafür die ersten Bäume … es kam der Juli … und mit ihm ein Hochwasser, mit dem in dieser Form keiner gerechnet hatte.

Nachdem in der Stadt die schlimmsten Folgen beseitigt worden waren, entschloss man sich, das Renaturierungsprojekt fortzusetzen. Die meisten Brücken müssen ohnehin neu gebaut werden – also machten sich große Bagger daran, der Erft ein neues Bett zu graben, um veränderte Strömungsverhältnisse zu ermöglichen.


Das Foto ist von derselben, letzten Brücke aufgenommen wie das obere – jedoch mit Weitwinkel

Bei diesen unterschiedlichen Strömungsverhältnissen kann sich eine viel reichhaltigere Artenvielfalt entwickeln und damit würde sich auch die Wasserqualität verbessern. Im nächsten Schritt erfolgt die passende Bepflanzung. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die Biodiversität erweitert wird, sondern bewirkt, dass aus einer plattgewalzten Ebene ein Schwemmgebiet wird, das viel mehr Wasser aufnehmen kann.

Es wird eine Weile dauern, bis sich ein einigermaßen natürliches Gleichgewicht eingestellt hat, und man wird das Werden noch lange begleiten müssen; aber ein Anfang ist gemacht.
Also ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort herum spaziere – und ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr aussieht …