Furchtbar fruchtbar

Es regnet und in meinem Garten wächst und sprießt das Grünzeug … bald brauche ich eine Machete, um mich durchzuschlagen.
Aber nicht nur die Pflanzen gedeihen … nein – auch so manche Tierchen sind fleißig:



Erwischt!


Und während ich den beiden bei ihrem Tun zuschaue (eigentlich passiert ja nicht viel, die Betrachtung hat eher etwas Meditatives), überlege ich mir — da war doch was — Regenwürmer sind nützliche Erdwühler, sie lockern den Boden und transportieren Nährstoffe, und doch sind sie nicht überall beliebt …

An meinem Computer finde ich den Artikel über die Invasion wieder: In den nordamerikanischen Wäldern – vor allem Kanada – gab es keine Regenwürmer, bis die ersten europäischen Siedler ankamen.
Die vor ca 20.000 Jahren zu Ende gehende Wisconsin-Eiszeit hatte die Würmer abgetötet und es entstand eine Streuschicht aus Pflanzenmaterial, die von Pilzen und Mikroorganismen zersetzt wurde. Von ihr leben zahlreiche Amphibien, Insekten und Vögel; Keimlingen bietet die Schicht Schutz, damit sie die ersten Jahre gut überstehen.

Das funktionierte so lange, bis der Mensch über Wurzelballen importierter Pflanzen Würmer einschleppte. Zu allem Übel verteilte er sie auch noch in die unberührte Natur, indem er übriggebliebene Köderwürmer einfach zurückließ.
Sie haben keine Feinde, also können sie sich prima vermehren. Nun tummeln sich in manchen Gegenden mehr als doppelt so viele Tiere pro Quadratmeter wie in deutscher Walderde.

Was für die Regenwürmer das Schlaraffenland bedeutet, ist für Teile des nordamerikanischen Ökosystems eine Katastrophe. In manchen Gebieten reduzierte sich die Biomasse aus Spinnen, Insekten etc. um fast 30%, die Bodenvegetation verschwand und damit werden auch Blumen, Vögel und Kleinsttiere seltener.

Die Regenwurm-Invasion wird man nicht aufhalten können, und sie geschieht für die einheimische Fauna und Flora zu schnell, als dass sie sich darauf einstellen könnte.
So bleibt für die Wissenschaftler nur, das Geschehen zu beobachten, um daraus zu lernen …

… Lernen von der Erbarmungslosigkeit und Weisheit der Natur


Der Kuss

Über Sonnen, Bärte und Smartphones

Ich muss gestehen – ich mag mein Smartphone. Ich kann damit Nachrichten verschicken, Notizen machen, im Internet nachschauen, Wanderrouten planen und
jetzt kommt’s!!!
ich kann sogar damit telefonieren.


Aber ich kann es auch mal liegenlassen, wenn ich etwas anderes zu tun habe – wie zum Beispiel beim Autofahren, wenn ich meine Ruhe will oder wenn ich mich mit jemand unterhalte … ihr wisst schon … man schaut sich gegenseitig an und spricht miteinander. Ich finde den Ausdruck „Aufmerksamkeit teilen“ sehr schön.

Das ist etwas, was kleine Kinder schon können – aufmerksam schauen, zuhören und dabei lernen. Früher dachte man ja, Babys wären leere Hüllen, die man erst mal mit Wissen füllen müsse; aber mittlerweile weiß man, dass in den kleinen Köpfen jede Menge los ist:
deutschlandfunkkultur.de/saeuglingsforschung-wie-babys-die-welt-entdecken

Was sie dabei dringend brauchen, ist die Reaktion ihres Gegenüber in Gesichtsausdruck, Stimme und Gesten.

Ich erinnere mich noch gut, als die Kindergärterin mir einmal erzählte, sie wundere sich über unseren Sohn, denn sie habe noch nie ein Kind gehabt, das Sonnen mit Bärten male …

Wir spekulierten, der Grund könne sein, dass er die ersten Wochen von meinem Mann betreut worden war, weil ich zu der Zeit noch krank war.

Und jetzt frage ich mich, was wohl Kinder malen, deren Eltern zu viel in die Smartphones schauen? Wenn sie nie ganz präsent sind – wenn sich die Kinder die Aufmerksamkeit mit einem nahezu übermächtigen Gegner teilen müssen.
Dabei geht es nicht nur um das Sehen – es geht auch um die Sprache, ihren Rhythmus, ihre Tonlage. Alles muss zusammenpassen. So entdecken sie die Welt – und letztendlich sich selbst.



So praktisch diese kleinen Geräte sind – so aufdringlich können sie sein. All diese Programme, Nachrichten, die sich darin befinden, sind superwichtig – oder doch nicht?
Ich merk das ja auch bei mir und ich muss mich dann aktiv daran erinnern, das Smartphone wegzulegen.

In diesem Sinne – es geht doch nichts über das Real Life 🌞

Sonne, Corona und die Armbeuge

Regel Nummer eins wenn der Niesreiz übermächtig ist:
In die Armbeuge niesen!
Wir auf der Erde wissen das ja – aber die Sonne? Die interessiert das blaue, sie umkreisende Murmelchen nicht.


Gesundheit!!!

Und noch weniger interessiert sie die Krümel, die um das blaue Murmelchen kreisen. Jetzt hat die Sonne eine Runde kräftig geniest und mit ein paar kräftigen Sonneneruptionen 40 von diesen Krümeln „abgeschossen“.

Sie ist ständig in Bewegung – unsere Leben spendende Sonne – ein Plasmaball aus negativen Elektronen und positiven Ionen. Dabei wird ein Magnetfeld induziert, bei dem sich Magnetfeldschläuche nach außen wölben. Manchmal berühren sich die Schleifen beim Verdrehen und es kommt zu einer Rekonnexion. Die Magnetfeldstruktur ändert sich abrupt und es wird eine große Menge Energie freigesetzt. Und weil die magnetische Orientierung entgegengesetzt ist, wird die Schleife mitsamt dem eingeschlossenen Material fortgeschleudert.
Bei Wikipedia gibt’s ein hübsches Video dazu.

Für die blaue Glitzermurmel, auf der wir leben, ist das nichts Neues. Dabei werden ab und zu die äußeren Schichten der Atmosphäre aufgewärmt und wenn wir Glück haben, können wir Polarlichter bestaunen.
Unsere neuere Technik kommt allerdings nicht gut damit zurecht.
1859 fand das erste größere Ereignis statt, das Menschengemachtes beeinflusste. Damals traf ein heftiger Sonnensturm auf die Erde und die Telegrafenleitungen in Nordamerika und Europa schlugen Funken. Polarlichter waren bis in die Karibik zu sehen.

Diesmal war die Eruption nicht so stark – aber unsere Technik ist angreifbarer geworden. Das Neueste ist das Starlink-Projekt von Elon Musk:
Tausende Satelliten sollen die Erde umkreisen und für weltweit lückenlosen Internetempfang sorgen.

Im Prinzip keine schlechte Idee. Beim Hochwasser in der Eifel konnte Musk aushelfen, weil die gesamte Infrastuktur im Ahrtal zusammengebrochen war.
Die Sache hat allerdings einen Haken – oder besser gesagt – tausende Haken. Zum Einen fliegt ohnehin jede Menge Müll dort oben herum und das Fenster zum All für Radioteleskope beginnt sich zu schließen.
Zum Anderen kann eine Sonneneruption große Zerstörungen anrichten.

Und genau das war jetzt ein Vorgeschmack. 40 Starlink-Satelliten werden demnächst in der Erdatmosphäre verglühen und Elon Musk um ein paar Millionen leichter machen.

So eine Sonneneruption kann aber auch schlimmere Auswirkungen haben und zum Beispiel Satelliten lahmlegen, an denen die Navigationssysteme hängen.

Also was lernen wir daraus?
Nicht nur beim Autofahren die passenden Straßenkarten im Fahrzeug mitführen … auch beim Wandern die Wanderkarte nicht vergessen. Ihr wisst schon – das sind diese unhandlichen Papierlappen mit den Strichen und Punkten … und passt auf, dass ihr Wanderpfade nicht mit Höhenlinien verwechselt.


Also immer schön in die Armbeuge niesen – aber ich denke, dass wir die Gesichtsverkleidung bald weglassen dürfen.

Data und die Freie Denkerin

Ich hab den Eindruck, als schaue mein kleiner Data etwas erstaunt, weil ich mich noch immer über die Spock-Spardose auf Marthas Blog freue.
Seit er mir vor über 25 Jahren als Mitbringsel aus den USA mitgebracht wurde, steht er auf meinem Schreibtisch und schaut zu, was ich so tue.



Ich glaube, nicht jeder kennt Lt. Commander Data aus der Serie ‚Star Trek‘. Er ist ein Android, der fast perfekt wirkt und auf alles superschnell eine Antwort hat – außer es handelt sich um menschliche Interaktionen.
Und weil er ein wissbegieriges ‚Individuum‘ ist, studiert er die Eigenheiten der Menschen sehr genau und versucht sie zu imitieren. Das kann zu sehr lustigen Szenen führen – doch es kommt auch vor, dass er zum Nachdenken anregt; vor allem wenn er die Widersprüchlichkeiten der Spezies ‚Mensch‘ ausleuchtet.


Captain, the most elementary and valuable statement in science, the beginning of wisdom, is, „I do not know“ … I do not know what that is, sir.

Dieses Zitat gefällt mir im Moment besonders gut. Es gebe immer eine Phase in der Naturwissenschaft, bei der man erst einmal sagen müsse – ich weiß es nicht. Genau hier läge der ‚Beginn von Weisheit‘.

Und jetzt?
Jo – jetzt haben wir eine neue Virusvariante – und ein Problem. Die Wissenschaftler wissen viel über seine Struktur; sie wissen, wie man einen Impfstoff herstellen kann; sie wissen, dass es das macht, was alle Viren tun – es mutiert fleißig vor sich hin.
Jetzt hat es sich dahingehend verändert, dass es sich so schnell verbreitet wie Masern – und jetzt wird es schwierig. Ab jetzt ist Schluss mit Wissen und es geht vor allem um Wahrscheinlichkeiten.
Selbst wenn es die Menschen nicht mehr so schnell in die Intensivstationen schickt wie seine Vorgänger – Vorbereitung ist angesagt; denn niemand weiß, wieviele Menschen werden tatsächlich krank (und die anderen Mutanten sind ja auch noch da).
Das betrifft vor allem Menschen aus dem Gesundheitssektor und aus den Bereichen der Infrastruktur. Die kann man nicht einfach so ins Homeoffice schicken.
Dabei geht es nicht nur darum, dass sich die Krankenhäuser mit Corona-Patienten füllen – es geht auch darum, dass jene, die jetzt Hilfe benötigen, sie nach wie vor bekommen.
Niemand der einen Herzinfarkt erleidet, hat die Zeit, um drei Stunden auf einen Transport zu warten. Kein von der Leiter gefallener Verletzte will stundenlang bis zur Versorgung ausharren …

Und was können wir tun?
Och – jede Menge. Wir können je nach den persönlichen Möglichkeiten Kontakte vermeiden und Mundschutz tragen und uns impfen lassen. Das ist nämlich wirklich sehr viel.

Ich hoffe, dass der menschliche Organismus bald gelernt hat, mit diesem Virus umzugehen. Möge es in den endemischen Zustand übergehen und sich in die Reihe der üblichen Grippeverdächtigen einreihen, gegen die man sich impfen lassen kann.

Doch ein weiteres Problem an der Sache ist, dass diese dynamisch ungewisse Situation von ein paar Menschen ausgenutzt wird, eben WEIL das Wissen um dieses Virus auf die bisherigen Erkenntnisse aufbaut. Dort wo sich wirkliche oder vermeintliche Lücken auftun, schlagen sie hinein – die Scharlatane, Wunderheiler und alle, die vorher schon an die Säulen der Demokratie pinkelten.
Was mich jedoch beruhigt – die Unzufriedenen sind in der absoluten Minderheit. Und der richtig große Teil trägt die Situation mit Fassung … mehr oder weniger; denn manche müssen wirklich darunter leiden. Danke dass ihr trotzdem dabei bleibt.


Botanik hat das letzte Wort

Die Welt der Pflanzen – vielfältig und schön – gesund und giftig. Im Verbund mit Pilzen, Kleinstlebewesen, Bakterien und Co könnte sie prima existieren. Und was ist mit Wirbeltieren? Sieht so aus, als könne die blaugrüne Perle des Universums gut darauf verzichten.



Das ist für die Krone der Schöpfung natürlich eine bittere Kränkung. Und das ist ja noch nicht alles – der Mensch ist so sehr Teil der Natur, dass es auf seiner Oberfläche und in ihm fleißig krabbelt und kriecht. Eine reichhaltige Palette an Kleinstlebewesen ernährt sich von uns; somit bekommt der Buchtitel von Precht „Wer bin ich und wenn ja wie viele“ eine ganz besondere Bedeutung.

Auch unser aktueller Lieblingsfeind Covid lebt von uns. Er dringt in uns ein und vermehrt sich. Doch ab und zu passiert ein Fehler, er mutiert, und anschließend hat jemand ein Problem. Entweder das Virus, weil es sich in eine Sackgasse hineinmutiert hat; oder der Mensch, weil sich sein Organismus auf einen neuen Feind einstellen muss.

Doch im Gegensatz zu unseren harmlosen Untermietern kann dieses Virus ganz schön viel Unheil anrichten. Ein sehr schönes, anschauliches Beispiel ist die Geruchsstörung, weil sie ziemlich häufig vorkommt. Laut einer US-amerikanischen Analyse betrifft es 77% aller Covid-Erkrankten, unabhängig von der Schwere des Verlaufs.

Das Virus löst hierbei eine Entzündungsreaktion in den Nervenzellen des Geruchssystems aus, die dadurch so geschädigt werden, dass es bei manchen Menschen Monate dauern kann, bis sie sich wieder regenerieren.

Allein in meinem Umkreis kenne ich drei gesunde, sportliche Menschen zwischen 20 und 30, die sich seit Monaten damit herumplagen. Sie haben mir erzählt, dass es gerade in der Regenerationsphase zu Fehlinformationen kommt; das heißt – wenn sie zum Beispiel ein Stück Schokolade essen, sagt das Gehirn: Igitt – ein vergammeltes Stück Wurst.

Nochmal zum Nachdenken: Dieses Virus verbreitet sich mit einer außergewöhnlichen Schnelligkeit und kann somit sehr viele Menschen auf einmal erkranken lassen. Es dringt in uns ein – und treibt dort sein Unwesen; wobei der Verlust des Geruchssystems das kleinste Problem ist.
Was ein Virus kann, das haben wir ja am Zika-Virus erlebt.

Der Mensch ist Teil der Natur, lebt mit und in ihr – aber alles muss er nicht hilflos erdulden; also bringen wir unser Immunsystem in Stellung – und los geht’s – lasst uns gemeinsam trainieren … öhm … zum Impfen gehen.